Bitcoin-Dorf in El Salvador: Gemeinsam durch die Corona-Krise

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Ein kleines Dorf in El Salvador hat etwas geschafft, das in den als Bitcoin-Hotspots gehandelten Städten Zürich, Amsterdam oder San Francisco noch in weiter Ferne scheint: Bitcoin ist bei den Bürgern in El Zonte ein etabliertes Zahlungsmittel für Einkäufe und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs.

Bitcoin und andere Kryptowährungen gelten für viele Experten als Retter in der Not: Etwa wenn die Sorge besteht, dass eine krisengebeutelte Regierung Bankkonten einfrieren könnte. Auch in Ländern mit Hyperinflation setzen die Menschen zunehmend auf Bitcoin und Co. um ihr Geld vor dem dramatischen Wertverlust ihrer Landeswährung zu schützen. In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten, die wir weltweit durch Corona erleben, könnte der Bitcoin eine interessante Option werden.

In El Zonte, einem Dorf mit rund 3.000 Einwohnern in El Salvador, ist der Bitcoin in der Bevölkerung angekommen. Dafür sorgte ursprünglich eine großzügige Spende in Form von Bitcoin. Damals wandte sich eine Wohltätigkeitsorganisation an Michael Peterson, der bereits vor vielen Jahre mit seiner Frau von Kalifornien nach El Zonte zog und sich gemeinnützig in dem Küstenort engagierte. Die Organisation hatte eine Bitcoin-Spende erhalten und suchte nun auf Wunsch des Spenders nach sinnvollen Projekten um das Geld zu investieren. Der anonyme Wohltäter hatte zu einem frühen Zeitpunkt Bitcoin gekauft, als der Kurs noch bei 0,05 US-Dollar stand. (Allein im Jahr 2017 stieg der BTC-Kurs von bereits stattlichen 960 US-Dollar auf sein Allzeithoch von über 19.000 US-Dollar.)

Eine Zukunft für die Jugend – dank Bitcoin

Zu diesem Glücksfall kam, dass Peterson von Anfang an Möglichkeiten entwickelte, die den bedürftigen Menschen vor Ort nicht nur kurzzeitig Erleichterung verschaffen sollten. Vielmehr sollte es darum gehen, die Wurzeln von Armut zu bekämpfen. Mit dem Projekt „Bitcoin Beach“ sollte in El Zonte eine Kreislaufwirtschaft entstehen, die den Bewohnern Wege aus Kriminalität und Armut ermöglicht. Hier konzentriert sich Petersen vor allem darauf, die junge Generation abzuholen. Je mehr Anreize die Jugendlichen haben, sich in ihrer Gemeinde zu engagieren und sich mit ihr zu identifizieren, umso geringer ist die Gefahr, dass sie sich kriminellen Banden anschließen.

So können sich die jungen Leute in El Zonte Bitcoin verdienen, etwa für die Reinigung der Umgebung, als Rettungsschwimmer am Strand oder für das Erreichen guter Schulnoten. Des weiteren unterstützt das Team von Bitcoin Beach auch Universitätsstudenten mit einem monatlichen Stipendium in Höhe von 50 US-Dollar – Auszahlung in Bitcoin, versteht sich. Das Vertrauen in das Zahlungssystem Bitcoin war, zumindest in Teilen der Bevölkerung, also bereits vorhanden, bevor Corona alles veränderte.

Bitcoin in Zeiten von COVID-19

Im Mai 2020 hat die Regierung von El Salvador wegen der Corona-Pandemie den Notstand ausgerufen. Das Militär kontrollierte auf den Straßen und verhaftete Tausende Menschen, die gegen die Ausgangssperren verstießen. Da viele Familien für ihr Überleben nur das Geld besitzen, das sie täglich verdienen, ist die Einhaltung der Quarantäne zu einem schier unlösbares Problem geworden.

Michael Peterson und sein Team unterstützen in der aktuellen Situation die Bevölkerung gezielt mit Bitcoin. Zum Beispiel zahlen sie alten Menschen die Wasserrechnungen oder unterstützen Familien mit Bitcoin für ihre Lebensmitteleinkäufe. Damit die Menschen sich nicht von der komplexe Technologie hinter Bitcoin abschrecken lassen, wählte Petersen einen pragmatischen Weg, wie er in einem Interview mit Blockchain for Humanity erklärte:

„Das beste ist, den Leuten eine kleine Menge an Bitcoin zu geben sodass sie Transaktonen machen können. Dadurch werden sie neugierig und fangen an, Artikel im Internet zu lesen und Fragen über Bitcoin zu stellen. Auf diese Weise wächst ihr Wissen über die Technologie im Laufe der Zeit.“

Das Problem der teilweise hohen Transaktionsgebühren und der vergleichsweise langsamen Geschwindigkeit des Bitcoin-Netzwerks hat die Bitcoin-Beach-Initiative ebenfalls gelöst. Die Bewohner sind kurzerhand auf das Lightning Network umgestiegen.

In jeder Krise steckt bekanntlich eine Chance und in El Zonte bestätigt sich dieser Spruch einmal mehr: Wenn auch in kleinem Maßstab, kann man hier von einer gelungenen Massenadaption sprechen. Durch alltagsnahe, nachhaltige Konzepte entstand ein Bitcoin-Ökosystem, das den Menschen nicht nur durch die Corona-Krise hilft, sondern auch das Potenzial für eine bessere Zukunft bietet.

© Bild via Depositphotos

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