Bitconnect-Verfahren: YouTube nun auch auf der Anklagebank

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Im Verfahren gegen das Betrüger-Unternehmen Bitconnect wird nun auch Youtube als Unternehmen angeklagt. Der Videoplattform wird vorgeworfen, nicht genug gegen die unlautere Werbung von YouTubern getan zu haben, die von Bitconnect bezahlt wurden. Mehrere der Video-Macher werden ebenfalls angeklagt.

Die Bitconnect-Memetik ist allseits bekannt. Der exzentrische Auftritt des Investors Carlos Matos wird von vielen als legendär empfunden. Andererseits ist es zu einem Sinnbild für Betrugs-Maschen im Blockchain-Ökosystem erhoben worden. Wenig zu lachen haben dagegen jene, die mit der Betrugs-Firma und ihrer Kryptowährung große Summen verloren haben.

Im Januar starteten sechs Investoren, die gemeinsam eine Summe von 771.000 Dollar verloren hatten, eine Sammelklage. Sie richtete sich nicht nur gegen das Unternehmen Bitconnect selbst, sondern auch gegen Youtuber, die gegen Geld den Ponzi Scheme auf ihren Kanälen beworben hatten. Die Masche beruht darauf, astronomische Gewinne zu versprechen und dadurch Investoren anzulocken. Die Firma versicherte, dass die hohen Erträge durch clevere Trades erzielt werden. Tatsächlich aber wurde nur Geld von den einen Investoren an die nächsten zu überreicht. Bitconnect versprach 40% monatliche Rendite. Eine irrwitzige Summe. Das System scheitert zwangsläufig dann, wenn der Markt gesättigt ist und sich zu wenig Neuinvestoren finden.

Nun hat die Klage gegen Bitconnect und seine Helfer eine neue Dimension erreicht. Nicht nur einzelne YouTuber, sondern auch YouTube selbst sitzt jetzt mit auf der Anklagebank. Das Google-Tochterunternehmen hätte seine Inhalte besser prüfen und die Videos der bezahlten Bitconnect-Unterstützter löschen sollen, so die Kläger.

Neutrale Plattform oder Unternehmen mit eigener Agenda?

Ist der Vorwurf aber wirklich gerechtfertigt? Man könnte argumentieren, dass man dieser Logik folgend ja auch die Deutsche Post oder Mobilfunkanbieter zur Verantwortung zu ziehen müsste, wenn kriminelle Netzwerke ihre Dienste für ihre Machenschaften nutzen. Allerdings muss man hier differenzierter sein. Denn im Gegensatz zu jenen, verfolgt YouTube längst die Praxis, Informationen nach Inhalten und Themen zu filtern.

Die letztjährige „Adpocalypse“ hat klipp und klar aufgezeigt, dass unliebsame Inhalte benachteiligt werden. Damals wurden zahlreiche Videos demonetarisiert, weil ihre kontroversen Inhalte Gefahr liefen mögliche Werbepartner abzuschrecken.

Blockchain-Alternativen sind unterwegs

YouTube darf als Unternehmen natürlich seinem finanziellen Eigeninteresse entsprechend handeln. Aber genau so haben wir als Nutzer das Recht, zu neuen, dezentralen Plattformen zu wechseln. Die Social-Media- und Blogging-Plattform Steemit registrierte vor Kurzem ihr millionenstes Mitglied. Die hauseigene Kryptowährung Steem erlaubt es einem Nutzer gelungene Beiträge durch einen Gefällt mir-Beitrag zu belohnen. Diese können dann wiederum in Bitcoin oder Fiatwährungen eingetauscht werden. Betrügerische Nutzer werden durch das Reputationssystem von der Gemeinde selbst bestraft.

Die Zeit drängt für freiheitliche Alternativen. Denn wenn die etablierten Internet-Unternehmen nicht schon auf eigene Faust löschen und zensieren, werden sie zunehmend von staatlicher Seite dazu gezwungen. Man denke nur an das Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Sicher ist es nicht schön, auf betrügerische Videos hereinzufallen. Aber wir müssen uns vorsehen, dass der Schutz von Investoren nicht wie „Hassrede“ und „Fake News“ zu einem weiteren Vorwand für die totale Zensur im Netz wird.

1 Kommentar

  1. Die Meinungsfreiheit ist in Gefahr. Vor allem die EU mutiert zunehmend zu einem totalitären Unrecht-System, das bekämpft werden muss. Am besten löst man diese EU auf, damit Freiraum entsteht, um Europa mit einem neuen Zusammenschluss mit direkter Demokratie frei zu gestalten.

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