Börse Stuttgart erhält DLT-Lizenz, MoneyGram und JPMorgan bauen Blockchain aus

Autor: Coinkurier Redaktion

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Kategorie: Nachrichten

Zusammenfassung: Der Pressespiegel zeigt die zunehmende Integration von Blockchain in die Finanzwelt: Börse Stuttgart, MoneyGram und Mastercard schaffen regulierte Infrastruktur, Validatoren und Sicherheitsstandards.

Regulierte Finanzinfrastruktur, institutionelle Validatoren und neue Sicherheitsstandards: Der Pressespiegel zeigt, wie Blockchain-Technologie immer tiefer in das traditionelle Finanzsystem vordringt. Während Börse Stuttgart und JPMorgan die digitale Wertpapier- und Zahlungsabwicklung ausbauen, setzen MoneyGram und Mastercard auf neue Rollen und Kontrollmechanismen im Stablecoin-Ökosystem.

Digitale Wertpapierabwicklung: Börse Stuttgart erhält DLT-TSS-Lizenz

Die Börse Stuttgart Group hat nach Angaben der FAZ, von BTC-ECHO und Startbase eine Lizenz für ein Distributed-Ledger-Trading-and-Settlement-System erhalten. Die Genehmigung wurde von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Rahmen eines Verfahrens erteilt, an dem auch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA und die Europäische Zentralbank beteiligt waren.

Die Lizenz schafft die regulatorische Grundlage für die Plattform Seturion, über die tokenisierte Wertpapiere europaweit gehandelt und abgewickelt werden sollen. Die Börse Stuttgart bezeichnete sich laut den Quellen als erste europäische Börsengruppe mit einer solchen DLT-TSS-Lizenz; laut FAZ verfügte das Fintech 21 X bereits seit September 2025 über eine entsprechende Lizenz.

Seturion richtet sich an Banken, Broker und Handelsplätze. Die Plattform soll unterschiedliche nationale Systeme, technische Schnittstellen und zwischengeschaltete Prozesse in einer gemeinsamen Infrastruktur zusammenführen. Dabei unterstützt Seturion sowohl öffentliche als auch private Blockchains.

Bei der Abwicklung sollen Wertpapierübertragungen direkt zwischen den beteiligten Marktteilnehmern erfolgen. Zahlungen können laut BTC-ECHO und Startbase über digitale Zahlungsmittel auf der Blockchain oder über Zentralbankgeld abgewickelt werden. Die Börse Stuttgart spricht von rund 90 Prozent niedrigeren Kosten; BTC-ECHO und Startbase formulieren eine mögliche Senkung der Abwicklungskosten um bis zu 90 Prozent.

Ein weiterer Vorteil der Blockchain-Technologie liegt laut FAZ in der Geschwindigkeit: Nach dem Handelsabschluss könnten Lieferung und Bezahlung wenige Minuten später erfolgen, während dies im klassischen elektronischen Wertpapiergeschäft mehrere Tage dauern könne. Die FAZ verweist zugleich darauf, dass aus Sicht der KfW weiterhin Standardisierung erforderlich sei, damit die Effizienzvorteile durch eine größere Nutzung tatsächlich zum Tragen kommen.

Für Handelsplätze bedeutet die Anbindung an Seturion, dass sie tokenisierte Vermögenswerte anbieten und über die Plattform abwickeln können, ohne selbst eine DLT-Lizenz beantragen zu müssen. Zu den genannten Partnern zählen flatexDEGIRO, Nasdaq, Société Générale und SG FORGE. Die FAZ berichtet außerdem, dass die Handelsplätze der Nasdaq in Europa, vor allem in Skandinavien, seit März 2026 angebunden werden sollen.

„Die Lizenz ist nicht nur die Grundlage für die Etablierung von Seturion als paneuropäische digitale Settlement-Plattform. Sie ist auch ein wichtiger Schritt, um einen einheitlichen europäischen Kapitalmarkt in die Tat umzusetzen“, sagte laut BTC-ECHO Dr. Matthias Voelkel, CEO der Boerse Stuttgart Group.

Startbase verweist zudem auf die Erfahrungen der Börsengruppe mit regulierten Blockchain-Handelssystemen. In der Schweiz betreibt Seturion mit SeturionX ein von der Finanzmarktaufsicht FINMA zugelassenes DLT-Handelssystem für tokenisierte Vermögenswerte.

Zusammenfassung: Die DLT-TSS-Lizenz gibt Seturion die regulatorische Grundlage für eine paneuropäische Abwicklungsplattform. Die angestrebten Kostensenkungen von bis zu 90 Prozent und die direkte Abwicklung hängen jedoch von der technischen Anbindung und der tatsächlichen Nutzung durch Banken, Broker und Handelsplätze ab.

MoneyGram wird Validator im XDC Network

Yahoo Finanzen Deutschland berichtet, dass MoneyGram als institutioneller Validator dem XDC Network beigetreten ist. Das Unternehmen, das seit 85 Jahren besteht und etwa 60 Millionen Kunden bedient, beteiligt sich damit nicht nur an der Nutzung einer Blockchain, sondern an deren Betrieb.

XDC ist laut der Quelle eine Layer-1-Blockchain mit Schwerpunkt auf Zahlungen, Handelsfinanzierung und Vermögenswerten aus der realen Wirtschaft. Als Validator bestätigt MoneyGram Transaktionen, pflegt den gemeinsamen Ledger und beteiligt sich an der Verwaltung des Netzwerks.

MoneyGram arbeitete erstmals im Jahr 2019 mit einer öffentlichen Blockchain zusammen. Seit Oktober 2021 nutzt das Unternehmen das Stellar-Netzwerk, um USDC für Wallet-Nutzer in Bargeld und zurück umzutauschen. Im Juni 2026 führte MoneyGram laut Yahoo Finanzen Deutschland den eigenen dollar-gedeckten Stablecoin MGUSD auf Stellar ein.

Darüber hinaus ist MoneyGram in diesem Jahr Betreiber eines Nodes auf Midnight sowie Validator bei Tempo und Solana geworden. Mit XDC kommt ein weiteres Netzwerk hinzu, bei dem das Unternehmen an der Infrastruktur mitarbeitet. XDC zählt laut eigener Darstellung mehr als 20 institutionelle Validatoren, darunter SBI Holdings, Deutsche Telekom, NTT DOCOMO Global, Clear Street, Hex Trust und Taurus.

Die Validatoren-Gruppe umfasst damit regulierte Institute in Asien, dem Nahen Osten, Europa und Nordamerika. MoneyGram hebt sich in dieser Gruppe laut Quelle durch sein Zahlungsnetzwerk mit fast 500.000 Retail-Standorten hervor.

„Jede Transaktion auf XDC wird von unseren Validatoren gesichert, und jedes neue Institut stärkt die Infrastruktur, auf der die Zukunft globaler Zahlungen aufgebaut wird“, sagte Ritesh Kakkad, Mitgründer des XDC-Netzwerks.

Die Beteiligung führt zunächst jedoch nicht zu einem neuen Zahlungsweg für MoneyGram-Kunden. MGUSD läuft weiterhin auf Stellar, und die Zusammenarbeit mit XDC verändert laut Yahoo Finanzen Deutschland weder den Stablecoin noch die bestehende Abwicklung.

Für die Validator-Position muss MoneyGram XDC-Token einsetzen. Das Unternehmen erhält dadurch eine Stimme bei der Verwaltung des Netzwerks und einen Platz im Handelsfinanzierungs-Ökosystem von XDC, aber zunächst keinen zusätzlichen Zahlungsfluss. Entscheidend bleibt laut Quelle, ob MGUSD oder andere Geldströme von MoneyGram künftig tatsächlich auf XDC abgewickelt werden.

„Mit dem Beitritt zum XDC-Netzwerk als Validator tragen wir direkt zur Infrastruktur bei, die das Netzwerk unterstützt, während wir weiter auf offenere und interoperable Wege hinarbeiten, Geld global zu bewegen“, sagte Luke Tuttle, Chief Product and Technology Officer von MoneyGram.

Zusammenfassung: MoneyGram stärkt als institutioneller Validator die Infrastruktur des XDC Network. Der Schritt bringt zunächst Mitsprache und einen Platz im Ökosystem, aber weder MGUSD noch die Kundenzahlungen wechseln dadurch auf XDC.

Mastercard entwickelt Risikoprüfung für Stablecoin-Zahlungen

Börse Express berichtet über das von Mastercard vorgestellte Produkt „Stablecoin Security“. Das Werkzeug soll Zahlungen mit dollar-gebundenen Token prüfen, bevor das Geld die Blockchain erreicht.

Mastercard verbindet dafür Zahlungsdaten mit Blockchain-Analysen und bewertet das Risiko über den gesamten Lebenszyklus einer Transaktion. Geprüft werden unter anderem die Herkunft der Mittel, mögliche Verbindungen zu Betrug, Scams oder sanktionierten Akteuren sowie der Kontext der Zahlung.

Aus diesen Informationen entsteht ein Risikoscore vor der Abwicklung. Banken sollen die Daten über eine Schnittstelle erhalten und in ihre bestehenden Betrugs- und Compliance-Systeme integrieren können.

Den Bedarf begründet Mastercard laut Börse Express mit einer Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Diese untersuchte 593 Millionen Stablecoin-Transfers aus dem Jahr 2025. Fast 60 Prozent liefen demnach über komplexe, mehrstufige Vorgänge und nicht über einfache Eins-zu-eins-Zahlungen.

Zum Start beteiligen sich Borderless.xyz und Keyrails. Beide Unternehmen stammen aus dem Blockchain-Accelerator Start Path von Mastercard.

„Finanzinstitute brauchen die richtigen Informationen und Kontrollen, um mit Vertrauen teilzunehmen“, sagte Ann Johnson, die das Sicherheitsgeschäft von Mastercard verantwortet.

Stablecoin Security ergänzt weitere Blockchain-Aktivitäten von Mastercard. Der Konzern übernahm im August den Stablecoin-Infrastrukturanbieter BVNK und startete in der vergangenen Woche die Global Money Platform, über die Unternehmen klassisches Geld und Stablecoins mit einer einzigen Anbindung halten und bewegen können.

Hinzu kommen laut Quelle eine BitLicense im US-Bundesstaat New York sowie die Abwicklung in USDC und RLUSD. Stablecoin Security baut auf den bestehenden Lösungen Crypto Credential und Crypto Secure auf.

Der Dienst startet zunächst in Nordamerika. Die weltweite Verfügbarkeit ist für 2027 vorgesehen; dann soll auch BVNK stärker eingebunden werden. Parallel bleibt das Kartengeschäft bestehen: Der Abwicklungsspezialist Thredd bildet für den Londoner Zahlungsdienstleister Finsei die technische Grundlage eines neuen Mastercard-Debitkartenangebots mit physischen und virtuellen Karten.

Zusammenfassung: Mastercard führt mit Stablecoin Security eine vorgelagerte Risikoprüfung für Blockchain-Zahlungen ein. Der Start erfolgt zunächst in Nordamerika, der weltweite Ausbau ist für 2027 vorgesehen.

JPMorgan bringt JPM Coin auf Ethereum

Nach Angaben des Crypto Valley Journal hat JPMorgan den Einlagen-Token JPM Coin nach dem Start auf Base im November 2025 auch auf Ethereum für institutionelle Kunden freigeschaltet. Seit dem 19. Oktober 2026 steht Ethereum damit als zweite Blockchain für Großbetragszahlungen in Dollar zur Verfügung.

Der aktuelle Token trägt das Kürzel JPMD und gehört zur Blockchain-Sparte Kinexys, die früher unter dem Namen Onyx bekannt war. Anders als ein Stablecoin wie USDC bildet ein Einlagen-Token eine Bankeinlage ab; das Geld bleibt dabei in der regulierten Infrastruktur der Bank.

JPMD ist laut Quelle die erste öffentliche Ausprägung des Tokens. Ein Pilot auf Base, dem Layer-2-Netzwerk von Coinbase, lief zunächst ab Juni 2025. Zu den frühen Testern gehörten Coinbase, der Liquiditätsanbieter B2C2 und Mastercard.

Über Kinexys liefen laut JPMorgan seit dem Start insgesamt mehr als 4 Bio. USD, im Schnitt 7 Mrd. USD pro Tag. JPM Coin auf Ethereum ist ausschließlich institutionellen Kunden von J.P. Morgan zugänglich und für Großbetragszahlungen zwischen professionellen Marktteilnehmern bestimmt.

Die Transfers erfolgen innerhalb des EVM-Ökosystems. Ethereum wird von der Bank als Layer-1-Netzwerk bezeichnet, während Base darauf aufsetzt. JPMorgan kündigte außerdem eine Einführung von JPM Coin auf dem Canton Network an, einer Blockchain außerhalb der EVM-Welt.

Regulatorisch bleibt JPMD laut Crypto Valley Journal eine Bankeinlage. Wer den Token hält, besitzt damit eine Forderung gegenüber JPMorgan wie bei einem gewöhnlichen Bankguthaben. Für Treasury-Abteilungen erweitert sich vor allem die Reichweite ihrer Dollar-Einlagen, da sie das Geld auf der Blockchain ihrer Gegenparteien oder tokenisierten Anlagen einsetzen können, ohne es zuvor in einen Stablecoin zu tauschen.

Kinexys begründet die Entscheidung für Ethereum mit der etablierten On-Chain-Liquidität und den tokenisierten Vermögenswerten auf dem Netzwerk. Laut DeFiLlama lag der Total Value Locked auf Ethereum in der Woche der Ankündigung bei knapp 50 Mrd. USD. Base kam vergleichsweise auf gut 6 Mrd. USD. Der Ethereum-Wert war laut Quelle seit Ende Dezember 2025 um gut ein Viertel gefallen; damals lag er bei rund 68 Mrd. USD.

„Dass wir JPM Coin zuerst auf Base und jetzt auf Ethereum ausgeben, ist ein bedeutender Schritt, um unseren institutionellen Kunden Multi-Chain-Optionalität für Grossbetragszahlungen im Web3 und im traditionellen Finanzsystem zu bieten“, sagte Emma Landriault, Global Head of Kinexys Labs bei J.P. Morgan.

JPMorgan nutzt Ethereum bereits für tokenisierte Anlageprodukte. Im Dezember 2025 startete die Bank dort ihren ersten tokenisierten Geldmarktfonds mit 100 Mio. USD Startkapital. Fünf Monate später, im Mai 2026, folgte ein zweiter tokenisierter Fonds.

Das Crypto Valley Journal ordnet JPMD außerdem rechtlich von Zahlungs-Stablecoins ab. Section 2(22) des GENIUS Act nimmt Einlagen im Sinn des Federal Deposit Insurance Act von der Definition des Zahlungs-Stablecoins aus, ausdrücklich auch dann, wenn sie mit Distributed-Ledger-Technologie erfasst werden.

Das Stablecoin-Regime war laut Quelle noch nicht wirksam. Die Durchführungsregeln wurden nach der Unterzeichnung im Juli 2025 erwartet, die Jahresfrist wurde im Juli 2026 jedoch verpasst. Spätestens soll das Regime am 18. Januar 2027 greifen; erlassen die Behörden die finalen Regeln früher, gilt es 120 Tage danach, sofern dieser Termin vor dem Stichtag liegt.

Parallel planen JPMorgan, Citi, Bank of America und Wells Fargo über The Clearing House ein gemeinsames Netzwerk für tokenisierte Einlagen. Der Start ist für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen. Mehr als ein Dutzend weitere Institute sollen sich beteiligen, darunter BNY, BMO und HSBC.

Gemessen am Kerngeschäft der Bank bleibt das öffentliche Blockchain-Geschäft laut Crypto Valley Journal klein. Die durchschnittlich 7 Mrd. USD pro Tag über Kinexys entsprechen weniger als 0.1% der über 10 Bio. USD, welche die Zahlungssparte von JPMorgan täglich abwickelt.

Zusammenfassung: JPMorgan erweitert JPMD auf Ethereum und schafft damit eine zweite öffentliche Blockchain für institutionelle Großbetragszahlungen. Der Einlagen-Token bleibt eine Bankeinlage; das öffentliche Blockchain-Geschäft ist im Verhältnis zum gesamten Zahlungsvolumen der Bank weiterhin ein Zusatzkanal.

Einschätzung der Redaktion

Die Entwicklungen markieren eine klare Verschiebung: Blockchain-Infrastruktur wird zunehmend nicht mehr als isoliertes Krypto-Projekt, sondern als regulierter Bestandteil des etablierten Finanzsystems aufgebaut. Entscheidend ist deshalb weniger die technische Neuerung als die Fähigkeit, Interoperabilität, Compliance und ausreichende Marktliquidität gleichzeitig zu gewährleisten.

Die größten Chancen liegen in schnelleren Abwicklungen, programmierbaren Finanzprodukten und einer engeren Verzahnung von Banken, Börsen und Zahlungsdienstleistern. Der Durchbruch wird jedoch erst erreicht, wenn standardisierte Schnittstellen und breite institutionelle Nutzung entstehen. Bis dahin bleiben viele Initiativen strategische Infrastrukturinvestitionen mit begrenzter unmittelbarer Wirkung auf Endkunden.

Infobox: Die Relevanz steigt deutlich, der praktische Nutzen hängt aber weiterhin von Standardisierung, Regulierung und tatsächlicher Nutzung ab.

Quellen: