Buchkritik zu „Machtbeben“: Anti-Bitcoin Thesen von Dirk Müller (Mr. Dax) widerlegt

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| © Dirk Müller

Der bekannte Börsenmakler Dirk Müller äußert sich in seinem aktuellen Buch “Machtbeben” äußerst negativ über Bitcoin und Kryptowährungen. Hier eine Antwort auf seine Behauptungen:

Der Börsenmakler und Fonds-Manager Dirk Müller ist in puncto Wirtschaftskritik deutschlandweit der aktuell vielleicht populärste Kopf. In seinem neuen Buch „Machtbeben“ findet sich auch ein knapp zehnseitiges Kapitel mit der Überschrift „Kryptowährungen: Das Ende des Bargelds“. Auch wenn Müller mehrfach betont, dass seine Bitcoin-Kritik nicht auf Halbwissen basiert, tut sie genau das!

So lautet eine seiner Thesen, Bitcoin könne wegen seiner begrenzten Geldmenge gar nicht als Währung funktionieren, da jede Währung über Inflation einen Anreiz zum Ausgeben des Geldes schaffen müsse. Soweit so gut.

Allerdings scheint Müller dabei völlig auszuklammern, dass in der Bitcoin-Gemeinde schon seit Jahren gerade die Debatte klafft, ob Bitcoin überhaupt eine Währung darstellen soll. Am 1. August 2017 hat sich wegen dieses Streitpunkts die Gemeinde gespalten – in Bitcoin (BTC)- und Bitcoin Cash (BCH)-Anhänger. Während erstere Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel oder digitales Gold ansehen, halten letztere Bitcoin für digitales Bargeld.

Mr. Dax scheint also zu glauben Bitcoins „Single Point of Failure“ entdeckt zu haben, während er tatsächlich nur einen Kritikpunkt wiederkäut, an dem sich schon Tausende vor ihm die Zähne zerrieben haben.

Müller gesteht zwar ein, dass Bitcoin auch ein Wertaufbewahrungsmittel sein könnte, „wenn eines Tages eine gewisse Stabilisierung des Preises erfolgen würde“. Allerdings benennt er mit keinem Wort, dass Bitcoins Preis trotz hoher Volatilität aufgrund der wachsenden Nachfrage und des stetig sinkenden Angebots auf lange Sicht hin stets gestiegen ist.

Bitcoin angeblich Erfindung der Geheimdienste

Laut Müller könne es sich bei Satoshi Nakamoto keineswegs um eine Einzelperson gehandelt haben. Um Bitcoin zu etablieren seien „ein sehr großes Netzwerk und große Ressourcen an Technik und Geld“ notwendig gewesen. Dass Dutzende Entwickler die Vorarbeit für Bitcoin geleistet haben und Satoshi diese dann lediglich für Bitcoin fruchtbar machte, scheint Müller nicht zu interessieren.

So wurden Bitcoins gescheiterte Vorläufer (ECash, HashCash, B-Money, Bit gold, Anonymous Electronic Cash usw.) z.B. auch primär von Einzelpersonen entwickelt. Bitcoin ist lediglich die logische Konsequenz aus einer Entwicklung, die weit vorher eingesetzt hat. Dass „große Netzwerk“ von dem Müller spricht, existiert nun aber tatsächlich. Allerdings ist dieses dank einer gut durchdachten Anreizstruktur über die Jahre hinweg organisch gewachsen.

Bitcoins Anfänge waren mitnichten professionell, sondern an vielen Stellen höchst dilettantisch. Zum Beispiel wurden 2010 bei einem Hack 184 Milliarden Bitcoins erzeugt. Satoshi erkannte den Systemfehler rechtzeitig, führte eine Hard Fork durch und rettete das Netzwerk. Dieser Hack ging später als „Value overflow incident“ in Bitcoins kurze aber turbulente Geschichte ein.

Müller scheint sich seiner Theorie aber dennoch sicher zu sein. Als weiteres Indiz führt er an, dass Bitcoins Mining-Algorithmus SHA-256 eine Erfindung des US-Geheimdienstes NSA sei, wodurch sich auch der Gedanke an eine versteckte Hintertür förmlich aufdränge. Tatsächlich aber wurde die SHA-2-Reihe (darunter auch SHA-256) vom National Institute for Standard and Technology (NIST) entwickelt, die NSA hat dort lediglich mitgeholfen. Aber ist die Tatsache, dass die NSA an der Entwicklung mitgewirkt hat nicht dennoch etwas fragwürdig? Naja, nicht wirklich!

Bitcoins Code ist seit inzwischen zehn Jahren als Open Source frei zugänglich. Die intelligentesten Hacker der Welt haben sich schon daran versucht, Bitcoins Code zu knacken – gelungen ist es bisher niemandem. Zwar wäre es theoretisch vorstellbar, dass die NSA ein paar IT-Spezialisten unter sich zählt, die raffinierter sind, als der Rest ihrer Zunft außerhalb der Behörde, allerdings würde man sich mit einer solchen Spekulation sehr weit aus dem Fenster lehnen.

Der Autor von „Machtbeben“ erwähnt bei alldem außerdem nicht einmal den Namen Nick Szabo. Und das, obwohl es eine große Fülle von Hinweisen gibt, die den US-amerikanischen Computerwissenschaftler als Satoshi Nakamoto identifizieren. Der amerikanische Computerwissenschaftler ungarischer Herkunft ist übrigens auch der Mann hinter Bit gold, einem verdächtig ähnlichen Bitcoin-Vorläufer.

Kryptowährungen bereiten laut Müller Bargeldabschaffung vor

Müller mutmaßt weiterhin, dass dieselben Eliten, welche seiner Meinung nach Bitcoin geschaffen haben, auch auf die Abschaffung des Bargelds hinarbeiteten. Dadurch würde eine dystopische Zukunft eingeleitet, in welcher die Regierung über eine staatliche Digitalwährung jede Transaktion ihrer Bürger überwachen und Dissidenten all ihr Geld sperren könnte. Ein erstes Anzeichen für diese Entwicklung sieht Müller z.B. im E-Krona-Projekt der schwedischen Zentralbank.

Hier offenbart sich Müllers geballtes Unwissen um die Bitcoin-Technologie. Alle Eigenschaften, die Bargeld ausmachen – Anonymität (oder zumindest Pseudonymität), Hoheit über das Privateigentum etc. – finden sich auch bei allen seriösen Kryptowährungen wieder. Besser noch: Sie werden im Gegensatz zum Euro, Dollar etc. nicht einmal von einer Zentralbank gedruckt, sondern dezentral über einen Prozess names Mining emittiert.

Weiter fabuliert der Autor, dass dank des Bitcoin-Hypes Digitalwährungen zunehmend als positiv und modern angesehen würden, so dass ein staatliches virtuelles Zahlungsmittel schließlich viel leichter von der Bevölkerung aufgenommen würde. Zudem erhielten die Architekten staatlicher Digitalwährungen durch die vielen Altcoins kostenloses Anschauungsmaterial, welche Konzepte funktionierten und welche nicht.

Auch wenn Teile dieser Argumentation durchaus valide sein mögen, sollte man doch die Frage stellen dürfen: Was wäre die Alternative? Würden Staaten etwa nicht auf die Digitalisierung aller Zahlungen hinarbeiten, wenn es Kryptowährungen nie gegeben hätte? Oder war dies nicht viel mehr eine unvermeidliche Entwicklung und wir können froh sein, dass es für den Fall eines tatsächlichen Bargeldverbots Alternativen zu einer staatlich kontrollierten Digitalwährung geben wird?

Sollte es Sie, Herr Müller, hierhin verschlagen haben, würden wir uns sehr gerne mit Ihnen über unsere Kritik austauschen, vielleicht in Form eines Interviews.

Was hältst Du von Dirk Müllers Aussagen bezüglich Bitcoin und Kryptowährungen? Schreib uns Deine Gedanken dazu in die Kommentarspalte.

10 Kommentare

  1. Herr Müller,hat meines Erachtens zum größten Teil recht mit seinen Aussagen über die sogenannte”Kryptowährung.”
    Und vor allem,nennt er die im Hintergrund agierenden Strippenzieher.
    Das ist es nämlich was viele nicht warhaben wollen.
    Er nennt sie auch noch beim Namen.
    Mein Respekt Herr Müller!

  2. Schließe mich an die Kritik an. Obwohl ich Herrn Müller als Finanzexperten respektiere und sein Engagement schätze, hat er sich in das Thema Blockchain und Kryptowährungen nicht ausreichend eingelesen. Insbesondere das Thema totale Kontrolle und Überwachung und Bitcoin hat er nicht erfasst. Dabei wäre es sehr wichtig, dass respektierte und bekannte Personen wie er hierzu Aufklärung betreiben. Es steht nämlich zu befürchten, dass die Masse den Unterschied zwischen zentral und dezentral nicht lernt.

  3. Wir „die Kryptofans“ sollten uns von dem Hype nicht blenden lassen. Dirk Müller ist kein dummer Mensch, wenn er sowas behauptet, würde ich mir schon gedanken machen. Wer Müller kennt, weiss das er offen seine Meinung sagt, egal ob gegen die Regierung oder große Banken. Und wenn er den Bitcoin nicht so gut findet, könnte ich mir vorstellen das Regierungen oder Banken dahinter stecken. Skeptisch war ich immer schon, ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Bitcoin ohne andere große Mächte soweit geschafft hat.

  4. Da muss man aber Herrn Müller mal in Schutz nehmen und euch auf den Boden der Tatsachen zurückholen (ohne euch zu nahe treten zu wollen oder Bitcoins schlecht zu Reden!).

    Zunächst einmal hat Herr Müller nie behauptet den “Single Point of Failure” gefunden zu haben, sondern führt lediglich berechtigte Kritik an:
    Bitcoin ist auf Grund der begrenzten/zu langsam wachsende Menge (noch) nicht in der Lage eine tatsächliche Währung zu stellen, auch kann nicht von einem Wertaufbewahrungsmittel gesprochen werden, da Bitcoins nur digital und nicht physisch Existieren (somit würden sie im Falle eines Systemausfalles o.ä. keinen Wert mehr besitzen).
    Fun Fact am Rande, der Preis von verbrieften Subprime-Krediten stieg auch stetig an bis … ;).

    Wieso schätzt ihr die Mitwirkung der NSA als nicht fragwürdig ein? Leugnet ihr das (berechtigte) Interesse eines Nachrichtendienstes an einer Währung die wie geschaffen für kriminelle und Terroristen ist und sich auch über eine überaus großer Beliebtheit in diesen Kreisen erfreut?
    Müller nennt den Namen Szabo (vermutlich) nicht, da seine Beteiligung an BTC eine reine Vermutung aufgrund von einer “großen Fülle von Hinweisen” und keine belegbare Tatsache ist.

    Die Argumentation von Müller zum Thema Bargeldanschaffung deckt sich mit der Argumentation vieler namhafter Ökonomen und auch “Krypto-Experten”, desweiteren hat nicht einmal Buchgeld die von euch beschriebenen Eigenschaften von Bargeld, es wäre naiv anzunehmen, dass Digitalgeld diese Eigenschaften jemals hätte. Wie eine staatliche Kryptowährung geschöpft wird (ob durch dezentrales/zentrales staatliches/privates Mining/etc) steht noch in den Sternen und die bereits existierenden Kryptowährungen helfen bestimmt bei der Konzeptionierung ;).

    PS: “weiter fabuliert der Autor” und “Vorausgesetzt, Sie haben den Mumm” ist einfach nur anmaßend und passt eher in ein Facebook-Kommentar als in einen “seriösen” Artikel

  5. Diesen Post habe ich auf einer Seite gefunden und ich finde diesen in der Zwischenzeit gar nicht mehr so abwegig:

    „Da kommt jemand völlig unbekanntes aus dem Nichts, ist auf einmal da, ist eloquent, beliebt und omnipräsent. Er spricht dem einfachen Bürger aus dem Herzen, spricht unbequemes an, erklärt uns verständlich die Welt, spricht die Wahrheit aus und wird immer populärer. Vorher hat er im Herzen des Kapitalismus für ein Finanzunternehmen gearbeitet, über hunderte Millionen Euro am Tag getradet und verwaltet – ich rede nicht von Emmanuelle Macron oder Satoshi Nakamoto, den Dirk Müller so gerne angreift (natürlich zurecht) nein, ich rede von Dirk Müller selbst. Er hat weder studiert, noch war er als brillanter Finanzplayer berühmt oder bekannt. Auf einmal schreibt er Bücher über alle möglichen, komplexen Themen, weiß zu allem was, macht einen Fonds, ist ein Tausendsassa. Er prangert das System an, ist aber Teil davon und profitiert selbst am Meisten davon. Er zeigt aber keine Lösungen auf sondern befeuert nur. Es lebt sich ja gut davon. Ich rate allen vorsichtig zu sein.” Doch ein Scharlatan?

    • Und wo haben Sie diesen Post gefunden?
      Und mal ehrlich … welche Politiker dieser Erde haben auch nur einen hauch einer Ahnung, was Arbeiten heisst. Schauen sie sich mal den Ausbildungsstand der Politiker an! Da sollten bei allen die Alarmglocken läuten. Jeder ist und war “mal im System”. Und warum soll man sein Wissen zum System nicht zum Vorteil machen für andere Menschen und damit Geld verdienen? Und warum soll einer nicht durch lesen, arbeiten, weiterbilden in etwas zu einem Experten werden? Denn genau so wird man zum Experten. Durch Arbeiten, Bilden und was etwas unternehmen. Warum ist der Fonds von Dirk Müller erfolgreich während die anderen abkacken? Auch wenn er im Buch grad mal auf Crypto einhackt, bisher hat noch keine andere Crypto Währung bewiesen, dass sie das Zeugs dazu hat, sich erfolgreich auf der Welt zu positionieren. Wenn eine Währung am Tag x einen Wert von 10’000$ hat und 12 Monate später noch 3000$ Wert hat, dann kann man nicht von einer erfolgreichen Positionierung sprechen. Dann spricht man von Hype, und das ist es, im Moment auf jeden fall, nur ein Hype. Etwas mehr Weitblick und Rundsicht würde allen gut tun. Schaut mal in eure Portfolios in den Cryptos rein. Ich habe aktuell ein minus von 98%. Bei Dirk Müller habe ich ein Plus von 6.8% und bei meinen ETF ein Plus von 8%. Also Leute, locker bleiben und Weitsicht walten lassen …

      • ….und wie sehen Deine Zahlen heute aus? Und was glaubst Du, wie sie in zwei Jahren wohl aussehen werden??? Ich gehen nahezu jede Wette ein, dass Du dann die Renditen aus ETF oder DM-Fond locker schlagen wirst. Vorausgesetzt natürlich, Du hast vorwiegend in BTC (und vielleicht ein wenig in vielversprechende andere Projekte in den Top 50) investiert und nicht in Shitcoins oder Scams…

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