Buchkritik zu „Machtbeben“: Anti-Bitcoin Thesen von Dirk Müller (Mr. Dax) widerlegt

07.02.2019 11:18 427 mal gelesen Lesezeit: 4 Minuten 0 Kommentare

Der bekannte Börsenmakler Dirk Müller äußert sich in seinem aktuellen Buch "Machtbeben" äußerst negativ über Bitcoin und Kryptowährungen. Hier eine Antwort auf seine Behauptungen: Der Börsenmakler und Fonds-Manager Dirk Müller ist in puncto Wirtschaftskritik deutschlandweit der aktuell vielleicht populärste Kopf. In seinem neuen Buch „Machtbeben“ findet sich auch ein knapp zehnseitiges Kapitel mit der Überschrift „Kryptowährungen: Das Ende des Bargelds“. Auch wenn Müller mehrfach betont, dass seine Bitcoin-Kritik nicht auf Halbwissen basiert, tut sie genau das! So lautet eine seiner Thesen, Bitcoin könne wegen seiner begrenzten Geldmenge gar nicht als Währung funktionieren, da jede Währung über Inflation einen Anreiz zum Ausgeben des Geldes schaffen müsse. Soweit so gut.

Allerdings scheint Müller dabei völlig auszuklammern, dass in der Bitcoin-Gemeinde schon seit Jahren gerade die Debatte klafft, ob Bitcoin überhaupt eine Währung darstellen soll. Am 1. August 2017 hat sich wegen dieses Streitpunkts die Gemeinde gespalten – in Bitcoin (BTC)- und Bitcoin Cash (BCH)-Anhänger. Während erstere Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel oder digitales Gold ansehen, halten letztere Bitcoin für digitales Bargeld. Mr. Dax scheint also zu glauben Bitcoins „Single Point of Failure“ entdeckt zu haben, während er tatsächlich nur einen Kritikpunkt wiederkäut, an dem sich schon Tausende vor ihm die Zähne zerrieben haben. Müller gesteht zwar ein, dass Bitcoin auch ein Wertaufbewahrungsmittel sein könnte, „wenn eines Tages eine gewisse Stabilisierung des Preises erfolgen würde“. Allerdings benennt er mit keinem Wort, dass Bitcoins Preis trotz hoher Volatilität aufgrund der wachsenden Nachfrage und des stetig sinkenden Angebots auf lange Sicht hin stets gestiegen ist.

Bitcoin angeblich Erfindung der Geheimdienste

Laut Müller könne es sich bei Satoshi Nakamoto keineswegs um eine Einzelperson gehandelt haben. Um Bitcoin zu etablieren seien „ein sehr großes Netzwerk und große Ressourcen an Technik und Geld“ notwendig gewesen. Dass Dutzende Entwickler die Vorarbeit für Bitcoin geleistet haben und Satoshi diese dann lediglich für Bitcoin fruchtbar machte, scheint Müller nicht zu interessieren. So wurden Bitcoins gescheiterte Vorläufer (ECash, HashCash, B-Money, Bit gold, Anonymous Electronic Cash usw.

) z.B. auch primär von Einzelpersonen entwickelt. Bitcoin ist lediglich die logische Konsequenz aus einer Entwicklung, die weit vorher eingesetzt hat. Dass „große Netzwerk“ von dem Müller spricht, existiert nun aber tatsächlich.

Allerdings ist dieses dank einer gut durchdachten Anreizstruktur über die Jahre hinweg organisch gewachsen. Bitcoins Anfänge waren mitnichten professionell, sondern an vielen Stellen höchst dilettantisch. Zum Beispiel wurden 2010 bei einem Hack 184 Milliarden Bitcoins erzeugt. Satoshi erkannte den Systemfehler rechtzeitig, führte eine Hard Fork durch und rettete das Netzwerk. Dieser Hack ging später als „Value overflow incident“ in Bitcoins kurze aber turbulente Geschichte ein.

Müller scheint sich seiner Theorie aber dennoch sicher zu sein. Als weiteres Indiz führt er an, dass Bitcoins Mining-Algorithmus SHA-256 eine Erfindung des US-Geheimdienstes NSA sei, wodurch sich auch der Gedanke an eine versteckte Hintertür förmlich aufdränge. Tatsächlich aber wurde die SHA-2-Reihe (darunter auch SHA-256) vom National Institute for Standard and Technology (NIST) entwickelt, die NSA hat dort lediglich mitgeholfen. Aber ist die Tatsache, dass die NSA an der Entwicklung mitgewirkt hat nicht dennoch etwas fragwürdig? Naja, nicht wirklich! Bitcoins Code ist seit inzwischen zehn Jahren als Open Source frei zugänglich. Die intelligentesten Hacker der Welt haben sich schon daran versucht, Bitcoins Code zu knacken – gelungen ist es bisher niemandem.

Zwar wäre es theoretisch vorstellbar, dass die NSA ein paar IT-Spezialisten unter sich zählt, die raffinierter sind, als der Rest ihrer Zunft außerhalb der Behörde, allerdings würde man sich mit einer solchen Spekulation sehr weit aus dem Fenster lehnen. Der Autor von „Machtbeben“ erwähnt bei alldem außerdem nicht einmal den Namen Nick Szabo. Und das, obwohl es eine große Fülle von Hinweisen gibt, die den US-amerikanischen Computerwissenschaftler als Satoshi Nakamoto identifizieren.

Der amerikanische Computerwissenschaftler ungarischer Herkunft ist übrigens auch der Mann hinter Bit gold, einem verdächtig ähnlichen Bitcoin-Vorläufer.

Kryptowährungen bereiten laut Müller Bargeldabschaffung vor

Müller mutmaßt weiterhin, dass dieselben Eliten, welche seiner Meinung nach Bitcoin geschaffen haben, auch auf die Abschaffung des Bargelds hinarbeiteten. Dadurch würde eine dystopische Zukunft eingeleitet, in welcher die Regierung über eine staatliche Digitalwährung jede Transaktion ihrer Bürger überwachen und Dissidenten all ihr Geld sperren könnte. Ein erstes Anzeichen für diese Entwicklung sieht Müller z.B.

im E-Krona-Projekt der schwedischen Zentralbank. Hier offenbart sich Müllers geballtes Unwissen um die Bitcoin-Technologie. Alle Eigenschaften, die Bargeld ausmachen – Anonymität (oder zumindest Pseudonymität), Hoheit über das Privateigentum etc. – finden sich auch bei allen seriösen Kryptowährungen wieder.

Besser noch: Sie werden im Gegensatz zum Euro, Dollar etc. nicht einmal von einer Zentralbank gedruckt, sondern dezentral über einen Prozess names Mining emittiert. Weiter fabuliert der Autor, dass dank des Bitcoin-Hypes Digitalwährungen zunehmend als positiv und modern angesehen würden, so dass ein staatliches virtuelles Zahlungsmittel schließlich viel leichter von der Bevölkerung aufgenommen würde. Zudem erhielten die Architekten staatlicher Digitalwährungen durch die vielen Altcoins kostenloses Anschauungsmaterial, welche Konzepte funktionierten und welche nicht.

Auch wenn Teile dieser Argumentation durchaus valide sein mögen, sollte man doch die Frage stellen dürfen: Was wäre die Alternative? Würden Staaten etwa nicht auf die Digitalisierung aller Zahlungen hinarbeiten, wenn es Kryptowährungen nie gegeben hätte? Oder war dies nicht viel mehr eine unvermeidliche Entwicklung und wir können froh sein, dass es für den Fall eines tatsächlichen Bargeldverbots Alternativen zu einer staatlich kontrollierten Digitalwährung geben wird? Sollte es Sie, Herr Müller, hierhin verschlagen haben, würden wir uns sehr gerne mit Ihnen über unsere Kritik austauschen, vielleicht in Form eines Interviews. Was hältst Du von Dirk Müllers Aussagen bezüglich Bitcoin und Kryptowährungen? Schreib uns Deine Gedanken dazu in die Kommentarspalte.

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Zusammenfassung des Artikels

Dirk Müller, ein bekannter Börsenmakler, äußert sich in seinem Buch "Machtbeben" negativ über Bitcoin und Kryptowährungen. Der Artikel argumentiert, dass Müllers Kritik auf Halbwissen basiert und wichtige Aspekte der Kryptowährungen außer Acht lässt.

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