Boykott-Aufrufe gegen Coinbase: Skandal um Neutrino-Übernahme eskaliert

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Die Exchange Coinbase wird heftig dafür kritisiert, die umstrittene Blockchain-Analyse-Firma Neutrino gekauft zu haben. Unter dem Motto #DeleteCoinbase löschten Nutzer ihre Konten. Für zusätzlichen Ärger sorgt der Grund, aus dem Coinbase das Startup nach eigenen Angaben erworben hat.

Seitdem Coinbase am 19. Februar bekannt gab, das Blockchain-Analyse-Startup Neutrino aufgekauft zu haben, reißt die Kritik an der führenden Exchange aus den USA nicht mehr ab. In der damaligen Ankündigung hieß es, Neutrino werde dazu beitragen, Diebstahl zu verhindern, Erpressungen aufzuklären und Übeltäter zu identifizieren.

Das Startup werde helfen, Gesetzeskonformität sicherzustellen und somit Coinbase-Angebote für mehr Menschen zugänglich zu machen. Dieses Versprechen bekommt jedoch einen schalen Beigeschmack, wenn man die Vergangenheit des Neutrino-Teams unter die Lupe nimmt: CEO Giancarlo Russo und seine leitenden Mitarbeiter Alberto Ornaghi und Marco Valleri haben zuvor für die italienische IT-Firma Hacking Team gearbeitet.

Diese wurde von der internationalen Organisation Reporter ohne Grenzen als einer von fünf „Feinden des Internets“ gebrandmarkt, da Hacking Team repressiven Regimen bei deren Vorgehen gegen Journalisten geholfen habe.

Coinbase-Kunden löschen ihre Konten

Auf Twitter wurde der Hashtag #DeleteCoinbase ins Leben gerufen, unter dem Nutzer der Exchange Bilder von der Löschung ihrer Coinbase-Konten verbreiteten. Ausgegangen war die Aktion von dem Entwickler Udi Wertheimer.

Dieser mahnte gestern aber auch an, bei Screenshots auf die Unkenntlichmachung persönlicher Daten zu achten. Man solle auch am besten nicht gleichzeitig Coins abheben und darüber öffentlich schreiben, da sonst Wallets und Personen einander zugeordnet werden könnten.

Coinbase-Partner verkauften ungefragt Nutzerdaten

Am Freitag erreichte die Affäre eine neue Dimension, als Coinbase-Vertriebsleiterin Christine Sandler im Interview mit der Nachrichtenseite Cheddar den Grund für die Übernahme von Neutrino erläuterte: Man habe sich von den bisherigen Anbietern trennen wollen, da diese Kundendaten an „außenstehende Quellen“ verkauft hätten.

Mehrere bekannte Krypto-Persönlichkeiten prangerten dieses Datenleck am Wochenende an: Der führende Monero (XMR)-Entwickler Riccardo Spagni schrieb auf Twitter, er könne Coinbase‘ Vorgehen kaum anders als im schlechtesten Licht betrachten. Erst habe man den Verkauf der Nutzerdaten verheimlicht und sich dann mit Menschenrechtsverletztern eingelassen.

Der bekannte Krypto-Trader und -Analyst Tone Vays erklärte sogar, Coinbase habe das Leben früher Bitcoin-Nutzer in Gefahr gebracht. Er persönlich schätze sich glücklich, von Anfang an einen großen Bogen um diese Exchange gemacht zu haben.

Denkst Du darüber nach, dein Coinbase-Konto zu löschen, sofern Du eins besitzt? Schreib uns Deine Gedanken dazu in die Kommentarspalte!

© Bild via Debositphotos

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