EZB, SEC und Hana Bank treiben tokenisierte Wertpapiere voran

Autor: Coinkurier Redaktion

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Kategorie: Nachrichten

Zusammenfassung: EZB, SEC und Hana Bank treiben tokenisierte Wertpapiere mit regulierter Infrastruktur voran, die Abwicklungen beschleunigen und Kosten senken könnte.

Die Tokenisierung von Wertpapieren erreicht eine neue Entwicklungsstufe: Während die EZB mit Pontes eine Brücke zwischen Blockchain-Netzwerken und Zentralbankgeld schafft, öffnet die SEC den US-Markt für tokenisierte Aktien. Zugleich zeigt Hana Bank mit einer digitalen Anleihe, wie Blockchain-gestützte Emissionen und Abwicklungen bereits heute schneller und effizienter werden können.

EZB startet mit Pontes eine Blockchain-Brücke zum Wertpapierhandel

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Notenbanken des Euroraums führen mit Pontes eine Plattform ein, über die Finanzinstitute digitale Wertpapiere direkt mit Zentralbankgeld abrechnen können. Wie t3n berichtet, soll das System Blockchain-Netzwerke mit dem als risikofrei geltenden Zentralbank-Euro verbinden.

Durch die Tokenisierung werden Vermögenswerte als digitale Token auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie erfasst. Nach Darstellung von t3n können dadurch bisher getrennte Schritte von Börse, Clearing und Verwahrung in einem automatisierten Vorgang gebündelt werden, wodurch Zeit, Kosten und Risiken im Großkundengeschäft sinken sollen.

Die Plattform steht zunächst mit grundlegenden Funktionen bereit und soll bis 2028 schrittweise ausgebaut werden. Laut MarketScreener Schweiz wird Pontes zunächst an Werktagen zwischen 8:00 und 16:00 Uhr MEZ beziehungsweise 06:00 bis 14:00 Uhr GMT betrieben.

Zum ersten Nutzerkreis zählen nach Angaben von MarketScreener Schweiz unter anderem Deutsche Bank, Santander und Clearstream. t3n nennt außerdem BayernLB, DZ Bank, KfW und die Europäische Investitionsbank sowie Betreiber von DLT-Netzwerken als Beteiligte oder Institute, die den Beitritt vorbereitet haben.

Die EZB will zudem selbst Erfahrungen mit digitalen Wertpapieren sammeln. Nach Angaben von t3n plant die Notenbank, einen kleinen Teil ihres Eigenmittelportfolios in tokenisierte Wertpapiere zu investieren; MarketScreener Schweiz beziffert die Eigenmittel auf 23.000 Mio. EUR und nennt hoch bewertete, auf EUR lautende Schuldtitel öffentlicher Institutionen als Schwerpunkt.

„Diese Technologie hat das Potenzial, Transaktionen zu beschleunigen und effizienter zu machen, indem sie mehrere Schritte im Lebenszyklus eines Vermögenswerts bündelt (...) und Automatisierung ermöglicht“, erklärte die EZB laut MarketScreener Schweiz.

Zusammenfassung: Pontes soll Blockchain-basierte Wertpapiertransaktionen mit durch die EZB gedeckten EUR ermöglichen. Der Ausbau ist bis 2028 vorgesehen, während die EZB zugleich eigene Investitionen in Blockchain-basierte Wertpapiere vorbereitet.

SEC öffnet Markt für tokenisierte US-Aktien

Die US-Börsenaufsicht SEC führt eine auf fünf Jahre angelegte „Innovation Exemption“ ein. Dadurch können bestimmte tokenisierte US-Aktien auf öffentlichen Blockchains gehandelt werden, wie Wallstreet Online berichtet.

Die Ausnahmegenehmigung erlaubt qualifizierten Handelsplätzen, tokenisierte Aktien über Automated Market Maker und Liquiditätspools zu handeln. Die Token müssen dabei dieselben Rechte wie die zugrunde liegenden Aktien gewährleisten, darunter Dividenden- und Stimmrechte.

Synthetische Produkte, die lediglich die Kursentwicklung einer Aktie abbilden, erfüllen diese Voraussetzung laut Wallstreet Online nicht. Zusätzlich begrenzt die SEC Handelsvolumen und die Zahl der angebotenen Wertpapiere; Smart Contracts müssen öffentlich und überprüfbar sein.

Werden Aktien durch unabhängige Dritte tokenisiert, erhalten die betroffenen Unternehmen außerdem die Möglichkeit, einer Aufnahme ihrer Aktien zu widersprechen. Damit verbindet die Regelung den Zugang zur Blockchain mit Anforderungen an Eigentums- und Aktionärsrechte.

Die Nachricht löste laut Wallstreet Online deutliche Kursbewegungen aus. Coinbase schloss 11,66 Prozent höher bei 194,25 US-Dollar, Robinhood gewann 9,12 Prozent auf 119,82 US-Dollar und Circle legte 7,86 Prozent auf 91,78 US-Dollar zu.

UnternehmenKursbewegungSchlusskurs
Coinbase11,66 Prozent höher194,25 US-Dollar
Robinhood9,12 Prozent119,82 US-Dollar
Circle7,86 Prozent91,78 US-Dollar

Goldman Sachs sieht insbesondere Coinbase, Robinhood und Circle als mögliche Profiteure. Finanznachrichten.de bestätigt die Einführung der fünfjährigen „Innovation Exemption“ und die erwartete stärkere Verbindung zwischen traditionellen Finanzmärkten und Blockchain-Technologie.

Coinbase könnte nach Einschätzung von Goldman Sachs über mehrere Geschäftsbereiche profitieren. Wallstreet Online verweist dabei auf eigene tokenisierte Aktien, das institutionelle Verwahrungsgeschäft und Coinbase Tokenize, eine Infrastruktur für die Übertragung weiterer Vermögenswerte auf die Blockchain.

Robinhood muss sein Angebot in den USA hingegen nachbessern. Die bereits außerhalb der USA angebotenen Stock Tokens übertragen laut Wallstreet Online bislang nicht sämtliche Eigentums- und Aktionärsrechte; Robinhood-Chef Vlad Tenev kündigte deshalb unter anderem Funktionen zur Rückgabe von Token gegen Aktien sowie Stimmrechte an.

Circle steht vor allem wegen möglicher Nachfrage nach USDC im Fokus. Wenn mehr Wertpapiertransaktionen über Blockchains abgewickelt werden, könnten Stablecoins für Abwicklung und Liquidität an Bedeutung gewinnen.

Zusammenfassung: Die SEC schafft mit einer fünfjährigen Ausnahmegenehmigung einen regulatorischen Rahmen für bestimmte tokenisierte US-Aktien. Coinbase, Robinhood und Circle gelten laut Goldman Sachs als mögliche Profiteure, wobei Robinhood sein US-Angebot anpassen muss.

Hana Bank emittiert digitale Anleihe über 100 Mio. US-Dollar

Die südkoreanische Hana Bank hat Berichten zufolge eine fünfjährige digitale Anleihe über 100 Mio. US-Dollar mithilfe der Blockchain-basierten Plattform von Euroclear begeben. Das meldet Cryptonews.net unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Yonhap.

Zum Einsatz kam die Digital Financial Market Infrastructure von Euroclear für die Emission einer auf eine Fremdwährung lautenden Anleihe. Laut dem Bericht handelt es sich um die erste Emission einer digitalen Anleihe in Südkorea, bei der die Blockchain-Infrastruktur von Euroclear direkt verwendet wurde.

Emission, Registrierung und Abwicklung wurden über ein Distributed-Ledger-Netzwerk verarbeitet. Durch die Blockchain-Technologie für die Zuteilung der Anleihe und die Zahlungsabwicklung soll sich der Prozess von drei bis fünf Geschäftstagen auf denselben Tag verkürzt haben.

Die Anleihe ist zudem an das bestehende globale Abwicklungsnetzwerk von Euroclear angebunden. Dadurch können Anleger sie laut Cryptonews.net über ihre bestehenden Konten und Handelssysteme handeln.

Euroclear startete seinen Dienst zur Emission digitaler Wertpapiere im Oktober 2023. Damals wickelte die Plattform eine digitale Anleihe über 100 Millionen Euro beziehungsweise 106 Millionen US-Dollar zum damaligen Zeitpunkt ab, die vom Kreditarm der Weltbank, der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, begeben wurde.

Diese dreijährige Anleihe diente der Finanzierung nachhaltiger Entwicklung und wurde an der Luxemburger Börse notiert. Cryptonews.net berichtet außerdem, dass weder Hana Bank noch Euroclear vor der Veröffentlichung auf Anfragen von Cointelegraph reagiert hätten.

Zusammenfassung: Hana Bank nutzte Euroclears Blockchain-Infrastruktur für eine fünfjährige digitale Anleihe über 100 Mio. US-Dollar. Der Abwicklungsprozess soll dadurch von drei bis fünf Geschäftstagen auf denselben Tag verkürzt worden sein.

Einschätzung der Redaktion

Die drei Entwicklungen markieren einen wichtigen Übergang von Pilotprojekten zu regulierter Marktinfrastruktur. Entscheidend ist weniger die Blockchain als Technologie selbst, sondern ihre Einbindung in bestehende Eigentums-, Abwicklungs- und Aufsichtsstrukturen.

Wenn Zentralbanken, Börsenaufsichten und etablierte Finanzinfrastrukturen tokenisierte Wertpapiere zulassen, entsteht ein belastbarer institutioneller Rahmen. Das kann Abwicklungszeiten und Prozesskosten senken, erhöht aber zugleich den Druck auf Banken, Börsen und Verwahrer, ihre Systeme technisch und rechtlich anzupassen.

Der kurzfristige Kursschub bei einzelnen Unternehmen ist vor allem als Erwartung an künftige Infrastruktur- und Zahlungsvolumina zu bewerten, nicht als Beleg für bereits realisierte Erträge. Nachhaltig profitieren dürften diejenigen Anbieter, die Liquidität, Verwahrung, Compliance und Interoperabilität zuverlässig verbinden.

Infobox: Die Bedeutung liegt in der institutionellen Verankerung tokenisierter Wertpapiere. Der entscheidende Erfolgsfaktor wird nicht die Emission einzelner digitaler Anleihen sein, sondern deren skalierbare, rechtssichere und grenzüberschreitende Abwicklung.

Quellen: