Interview mit Didi Taihuttu, Bitcoin-Familie: “Wenn Bitcoin zusammenbricht sind wir bankrott”

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Wir haben uns mit dem niederländischen Unternehmer Didi Taihuttu unterhalten. Der bekannte Bitcoin-Enthusiast und Vater von drei Kindern hatte zwischen 2016 und 2017 sein gesamtes Hab und Gut verkauft, um es in Bitcoin (BTC) und Altcoins zu investieren. Wir sprachen mit ihm über die Lebensgestaltung der “Bitcoin-Familie”, seine Einschätzungen zum aktuellen Bärenmarkt und Visionen für die Zukunft.

Coin Kurier: Die Marktkapitalisierung des Bitcoin schrumpft aktuell weiter und weiter. Hältst Du mittlerweile einen Teil Deines Guthabens wieder in Fiat, um bei einem weiteren Einbruch den Lebensstandard Deiner Familie zu sichern?

Didi Taihuttu: Nein, wir haben nichts verkauft, wir haben nur zu Wirex umgestellt. Mit Wirex bezahlen wir unser normales Leben, wo es mit Bitcoin nicht möglich ist.

Coin Kurier: Was genau ist Wirex?

Taihuttu: Wirex ist eine Krypto-Kreditkarte, unterstützt von VISA. Überall auf der Welt, wo VISA akzeptiert wird, kann ich Zahlungen tätigen und dann werden meine Bitcoins gegen den Tageskurs der Landeswährung umgetauscht, sei es der thailändische Baht oder das britische Pfund. Ich glaube wir sind da schon viel weiter, als viele Leute denken.

Coin Kurier: Hast Du geahnt, dass ein so harter Kryptowinter eintreten wird?

Taihuttu: Nein, um ehrlich zu sein hatte ich nicht damit gerechnet, dass Bitcoin Richtung 3.000 US-Dollar fallen würde. Ich dachte, 6.000 wäre eine gute Grenze gewesen. Aber jetzt bereite ich mich auf einen wirklichen Kryptowinter vor. In meinen Augen kann es noch viel tiefer gehen.

Coin Kurier: Hast Du im Bullenmarkt 2017 Gewinne realisiert oder eisern durchgehodlt?

Taihuttu: Teilweise haben wir verkauft und wieder zurückgekauft. Ich trade täglich. Teilweise tradest Du mit Deinem Portfolio, teilweise hodlst Du. So hab ich das auch gemacht.

Coin Kurier: Auf Eurer Webseite YoloFamilyTravel.com verkauft Ihr auch ein Buch, einen Bitcoin-Kurs und bietet Euch als Redner an. Habt Ihr darüber mittlerweile einen Einkommensstrom aufgebaut, der groß genug ist, um Euer Krypto-Vermögen unangetastet lassen zu können?

Taihuttu: Nein, aktuell müssen wir immer noch Teile unseres Vermögens verkaufen. Es ist nicht so, dass wir mit unserem Online-Verkauf wirklich viel Geld verdienen würden. Wir versuchen natürlich, damit Einkommen zu bekommen, denn eigentlich wollen wir Wohltätigkeitsorganisationen helfen. Wir wollen den armen Menschen auf der Welt helfen, sei es mit Essen und Trinken oder mit Krypto-Bildung. Unser Ziel ist es, dort unsere Gewinne reinzustecken, nicht in einen Lamborghini oder eine Villa oder so. Wir müssen da noch mehr Arbeit investieren, damit unsere Webseite berühmt wird, sodass wir richtig Geld reinbekommen. Bis jetzt läuft das mittelmäßig.

Coin Kurier: Ihr nehmt auf Eurer Webseite Bitcoin-Spenden für gute Zwecke entgegen. Bisher sind alleine auf der angepinnten Bitcoin-Adresse seit Juni 2016 über 20 BTC eingegangen. In welche Projekte ist das Geld bisher geflossen?

Taihuttu: Zum Beispiel haben wir vor ein paar Wochen ein Waisenhaus in Indien unterstützt. Die akzeptieren Krypto, also haben wir ihnen Krypto gesendet. Dann haben sie uns auch ein Foto geschickt, mit „Bitcoin Family, we love you“, das war wirklich schön.

Wir spenden immer direkt an die Familien und Einrichtungen und nicht an Stiftungen. Sonst weiß man nicht, ob das Geld wirklich ans Ziel kommt oder ob sich der Eigentümer einen neuen Mercedes kauft.

Coin Kurier: Ihr habt Euch für den Plan B(itcoin) entschieden und seid aus dem System ausgestiegen. Gibt es auch einen Plan C?

Taihuttu: Wir haben keinen Plan C. Wir haben eigentlich gar keinen Plan. Wir versuchen, von Tag zu Tag zu leben und jeden Tag zu genießen. Wenn Bitcoin zusammenbricht, sind wir bankrott und dann fangen wir wieder neu an. Dann fang ich wieder an zu arbeiten oder was auch immer. Das werden wir dann sehen. In meinen Augen wird Bitcoin natürlich nicht zusammenbrechen, aber es ist natürlich möglich.

Coin Kurier: Wie sieht Euer Alltag aus?

Taihuttu: Im Moment sind wir in den Niederlanden. Wir sind hier, um mit Familie und Freunden Weihnachten zu feiern. Aktuell verbringen wir viel Zeit mit der Familie, aber in den ersten vier oder sechs Wochen, seit wir zurück sind, wurden wir jeden Tag von Radio und Fernsehen interviewt. Vor zwei Wochen hab ich dann gesagt, es ist genug. Jetzt will ich die Zeit für Freunde und Familie nutzten, denn wer weiß, vielleicht bin ich bald schon wieder am Strand in Thailand oder so.

Ich trade jeden Tag ein bisschen. Wir hatten noch Sachen in einer Garage gelagert. Die verkaufen wir jetzt, um wieder neue Bitcoins kaufen zu können. Wir unterrichten die Kinder zu Hause. Ich lese auf Foren, bin in Telegram-Gruppen aktiv. Eigentlich alles, um Krypto zu unterstützen und um Leuten verständlich zu machen, was Krypto ist. Auch damit sie verstehen, dass man dabei nicht nur Geld gewinnen, sondern auch verlieren kann.

Coin Kurier: Habt ihr noch ein reguläres Bankkonto?

Taihuttu: Ja, wir haben noch ein normales Bankkonto, weil unsere Krankenkasse in den Niederlanden noch kein ausländisches Konto akzeptiert. Also brauchen wir das eigentlich nur, um monatlich 250 Euro für die Krankenkasse zu überweisen. Ansonsten sind die einzigen Bankkonten, die wir wollen, zum Beispiel von Wirex. Da gibt es auch eine IBAN-Nummer. Also ist eigentlich auch ein Bankkonto angekoppelt, aber die akzeptieren auch Bitcoin, Ethereum (ETH), Litecoin (LTC) und alle anderen Münzen. Das ist viel einfacher für uns. Wir haben ja alles in Krypto und wenn wir mal Euro oder Baht brauchen, wird das automatisch umgetauscht.

Coin Kurier: Ihr habt dieses Jahr eine Europa-Tour gemacht. Wo geht es 2019 hin?

Taihuttu: Das haben wir auch noch nicht so geplant. Wir buchen immer kurzfristig, abhängig davon was sich ergibt. Wenn wir ein Angebot für eine Präsentation in Südamerika haben, gehen wir nach Südamerika. Gibt es dann wieder eine Konferenz in Thailand, na dann gehen wir nach Thailand. Das hat schon seine Vorteile, dass wir diesen Schritt gewagt und zur Bitcoin-Familie geworden sind. Vielleicht sind wir im Januar wieder in Thailand, weil wir gerade von dort viele Einladungen haben, aber wir wissen es wirklich noch nicht.

Coin Kurier: Welche Altcoins sind Deine Favoriten?

Taihuttu: Für mich ist Bitcoin natürlich immer der größte und beste unter den Kryptowährungen. Aber ich habe natürlich auch zum Beispiel Litecoin und Ethereum. Allerdings halte ich auch kleinere Währungen, z.B. TRON (TRX), Cardano (ADA), IOTA, Bitcoin Private (BTCP) oder Verge (XVG). Das sind Münzen, denen ich gerne folge. Zum Beispiel Bitcoin Private hat eine wirklich gute Community und ich glaube, dass die wirklich gut arbeiten und nicht nur auf den Preis schauen, sondern wirklich Projekte bauen. Verge macht dasselbe. Die haben eine große Community und bauen wirklich an einer Zukunft auf der Blockchain und wollen nicht einfach nur Geld sammeln. Es gibt schon sehr viele Projekte, aber ich bin ein Bitcoin-Maximalist. Für mich ist Bitcoin doch immer der Beste.

Coin Kurier: Was würdest Du Hodlern auf den Weg geben, die 2018 angefangen haben, an Bitcoin zu zweifeln?

Taihuttu: Also erstmal bin ich kein Finanzberater. Alles was ich sage, ist nur meine Meinung. Aber in meinen Augen passiert das, was gerade mit Bitcoin geschieht, nun schon zum – ich glaube – dreizehnten Mal. Immer geht Bitcoin nach oben und immer geht Bitcoin auch wieder nach unten. Und immer wenn Bitcoin nach oben geht, zum Beispiel auf 10.000 Euro, dann sagen alle: „Aah Sche-ße, ich hätte bei 3.000 oder 4.000 einsteigen müssen“. Und jetzt steht Bitcoin ja wieder bei 3.000 und jetzt sagen die: „Nee, jetzt nicht einsteigen, jetzt geht es in Richtung kaputt“.

Bitcoin geht nicht kaputt, Bitcoin macht das schon zum dreizehnten Mal. Wir bekommen jetzt einen Bärenmarkt, wir sind schon lange in einem Bärenmarkt und das bleibt wohl auch so. Vielleicht gehen wir zurück auf 4.000 und dann wieder zurück nach zum Beispiel 1.500 US-Dollar, das ist möglich. Aber nachher, 2019, gehen wir wieder nach oben. Und ehe wir uns versehen ist Bitcoin wieder über 20.000 und dann sagen alle wieder: „Oh, wir hätten bei 3.000 Euro einsteigen müssen“. Ja hättet ihr. Jetzt ist der Moment gekommen. So zwischen 2.000 und 3.000 Dollar kann eigentlich jeder einen Bitcoin kaufen, der am Investieren interessiert ist. Und wer jetzt einen Bitcoin kauft hat das Siebenfache oder Zehnfache, falls er wieder 15.000 oder 20.000 erreicht.

Bitcoin geht nicht kaputt. Blockchain geht nicht weg. Das ist die Zukunft. Banken unterstützen es schon überall auf der Welt. Aber ich kann verstehen, wenn Leute, die nicht alles über Krypto sehen und lesen, jetzt Angst haben. Die Leute, die letztes Jahr eingestiegen sind, haben gesehen, wie es von 20.000 auf 2.000 ging. Aber ich bin schon seit 2014 dabei, ich hab einen Crash von 80 Prozent schon zu oft gesehen, um jetzt nervös zu werden. Natürlich hatte ich auch nicht erwartet, dass dieser letzte Crash so groß ausfallen würde. Aber Ok, wir gehen ein Bisschen runter und dann wieder nach oben. Alles im Leben geht nach unten und nach oben, so auch Krypto.

Coin Kurier: Was fasziniert Dich am meisten an Krypto?

Taihuttu: Dass es wirklich disruptiv ist, dass es eine Revolution ist. Es verändert das ganze monetäre System. Ich sage jetzt nicht, dass Bitcoin das einzige Geld weltweit wird, aber es hat schon das System verändert. Es macht die dritten Parteien überflüssig. Wir beide zusammen können etwas vereinbaren und brauchen dafür keine Bank, keinen Notar oder sonst irgendwas.

Was Blockchain und Bitcoin macht, dezentralisiert das ganze Leben. Ich schaue mir da die Evolution von allem an. Wir alle in Deutschland und den Niederlanden sind in Städte gezogen, weil da Arbeit war und haben unser Nomadenleben aufgegeben. Aber jetzt ist die Arbeit nicht mehr an einen Standort gekoppelt. Du und ich können online arbeiten. Ich kann von überall mit meinem Laptop arbeiten. Und wenn wir uns jetzt alle von Städten loskoppeln und digitale Nomaden werden, dann brauchen wir eine digitale Münze, die überall austauschbar ist. Das monetäre System ist in meinen Augen korrupt. Wir haben jetzt schon so viele Crashs mitgemacht und immer wieder wurde zur „Rettung“ bloß mehr Geld gedruckt.

Ich glaube, dass wir jetzt in eine neue Zeit kommen werden. Die Leih-Ökonomie wird immer größer. Leute brauchen sich kein Auto mehr zu kaufen, sie fahren einfach von Punkt A nach Punkt B und bezahlen nur die gefahrenen Kilometer. Ähnlich funktioniert das auch mit Fahrrädern oder Häusern, zum Beispiel über Airbnb. Vielleicht sind wir in zehn oder fünfzehn Jahre alle digitale Nomaden, reisen rund um die Welt und arbeiten, wo wir wollen.

Aber eine Sache, die ich weiß, ist, dass sich Geld verändert: Wir haben mit Steinen angefangen, dann sind wir zu Gold und Silber übergegangen, dann zu Gold- und Silbermünzen, dann zu Papiergeld, Kreditkarten, über das Internet zu PayPal und jetzt gehen wir über die Blockchain zu Kryptowährungen. Das ist der nächste Schritt. Und es wird neben einem Krypto-Bitcoin auch einen Krypto-Euro, einen Krypto-Dollar und Krypto-Gold geben. Das ist die Zukunft.

Meine Kinder sind auch für Bitcoin, sie haben auch mal ein Bitcoin-Bild gemalt. Wir versuchen unsere Kinder auf eine dezentralisierte Welt vorzubereiten, in der es wieder ganz viele neue Möglichkeiten gibt. So viele Möglichkeiten, wie das Internet von den 90er Jahren bis jetzt geschaffen hat, so viele oder mehr werden Blockchain und Bitcoin in den nächsten zehn Jahren schaffen.

Coin Kurier: Vielen Dank für das Gespräch.

Taihuttu: Gerne.

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