Interview mit Geschäftsführer der Dash-Embassy: Venezuela braucht eine alternative Währung

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Dash wird in Venezuela immer beliebter als Alternative zum Boliver, der venezolanischen Nationalwährung. | © Depositphotos

Wir haben uns mit Jan Heinrich Meyer, einem der beiden Geschäftsführer der Dash Embassy D-A-CH (Deutschland, Österreich und Schweiz), unterhalten. Sein Unternehmen arbeitet an der Verbreitung der Digitalwährung im deutschsprachigen Raum und wird direkt durch die Dash-DAO finanziert. Wir sprachen über die Gründe für die starke Adaption in Venezuela, Dashs anstehende Projekte und vieles mehr.

Coin Kurier: Der Dash-Preis hat im Bärenmarkt knapp 90% eingebüßt. Wirtschaftet Ihr gut genug, um trotzdem genug Werbung für euer Produkt machen zu können?

Jan Heinrich Meyer: Ja, der Preis ist wie bei allen Blockchain-basierten Projekten runter gegangen. Und selbstverständlich mussten wir unsere Planung nochmal überdenken, aber es ist nicht so, dass wir in Schwierigkeiten stecken würden. Weder bei uns, noch bei anderen Projekten weltweit.

Coin Kurier: In Eurem Rückblick auf das dritte Quartal berichtetet Ihr, dass zahlreiche Projekte wegen Geldmangels zurückgestellt werden mussten. War die Planung zu optimistisch?

Meyer: Da wir unsere Anträge immer quartalsweise stellen, haben wir uns in etwa an dem damaligen Dash-Preis orientiert. Entsprechend haben wir unsere Maßnahmen geplant und budgetiert. Durch den Preisverfall können wir nun also vielleicht nicht ganz so viel machen, wie anfangs geplant, aber wir haben immer noch ein gesundes „Grundrauschen“.

Coin Kurier: Im August hast Du über Pläne für eine Dash-Integration in ATMs der DZ Bank berichtet. Gibt es diesbezüglich Fortschritte oder Pläne für eine Zusammenarbeit mit anderen Banken? 

Meyer: Wir werden an dem GENOhackathon im Hause von Microsoft Anfang November teilnehmen. Dort werden wir unsere Idee pitchen und hoffen, dass wir dann ein Team zusammenstellen können, um dann dort an einer Lösung für diese ATMs zu arbeiten. Das bedeutet aber nicht, dass, wenn wir eine funktionierende Lösung entwickeln, diese auch direkt umgesetzt wird. Es zeigt aber natürlich, dass seitens der Banken ein Interesse an Kryptowährungen besteht. Die DZ Bank ist die erste, die uns zu einer solchen Veranstaltung eingeladen hat. Wir sind aber auch mit anderen Banken im Gespräch. Der Sektor bewegt sich.

Coin Kurier: Ihr habt in diesem Sommer die Dash Roadshow durch Deutschland, Österreich und die Schweiz gestartet. Was interessiert die Besucher der Seminare ganz besonders?

Meyer: Die meisten Teilnehmer wollen sich erstmal grundlegend informieren: Was hat es mit Blockchain, was hat es mit Bitcoin, was hat es mit digitalem Bargeld auf sich? Das Publikum ist recht gemischt. Es sind Privatpersonen dabei, aber auch Vertreter von Unternehmen, die sich mit der Thematik auseinandersetzen wollen. Dabei geht es hauptsächlich um Aufklärung, auch im steuerrechtlichen Bereich. Wir arbeiten da mit CryptoTax und Winheller zusammen, die zur steuerlichen Einordnung von Kryptowährungen immer noch etwas erzählen können.

Wir haben also dort Neulinge, die erst einmal ins Thema einsteigen wollen. Dann haben wir Einsteiger, die ein bisschen mehr lernen wollen, weil bei Dash noch etwas Neues auf sie wartet. Dann haben wir Leute, die sich mit Kryptowährungen schon gut auskennen, aber nicht mit den steuerlichen Belangen. Es ist also für jeden etwas dabei.

Coin Kurier: Kürzlich habt Ihr verkündet, dass Dash von über 3.500 Firmen weltweit genutzt wird, während es im Februar weniger als 700 waren. Welche Faktoren sorgten für den starken Anstieg?

Meyer: Das hängt hauptsächlich mit der Situation in Venezuela zusammen. Dort gibt es ja durch die starke Inflation ein Bedürfnis nach einer alternativen Währung. Teilweise wird selbstverständlich der Dollar verwendet, aber die Akzeptanz für Kryptowährungen ist dort am stärksten gestiegen. Der größte Anteil von Dash akzeptierenden Händlern ist aktuell in Venezuela. Neben der Inflation hängt das auch damit zusammen, dass unsere regionalen Teams dort tolle Aufklärungsarbeit leisten. So kommt eins zum anderen und im Ergebnis gibt es nun dort mehr Dash- als Bitcoin-Akzeptanzstellen.

Coin Kurier: Was genau verschafft Dash denn dort so einen Vorteil, dass es beliebter als andere Kryptowährungen ist?

Meyer: Ich glaube es liegt hauptsächlich daran, dass wir über die Dash-Treasury Teams finanzielle Mittel zur Verfügung stellen können. So können sie einen guten Job machen, der eben auch mit Kosten verbunden ist. Niemand muss dort privates Geld investieren, um beispielsweise Workshops für Händler anzubieten oder eine Support-Hotline aufzustellen. Das wird alles über die Dash-DAO finanziert und ich denke, darin liegt der große Vorteil. Es gibt dort einfach die Möglichkeit, einen Ansprechpartner zu erreichen, wenn man sich über Kryptowährungen informieren möchte, ähnlich wie wir das ja auch in der D-A-CH-Region mit der Dash Roadshow machen.

Coin Kurier: Gibt es in Venezuela tatsächlich eine Schmierenkampagne von Bitcoin und Bitcoin Cash gegen Dash?

Meyer: Ich habe dazu neulich mal einen Artikel überflogen, kann aber nicht wirklich viel dazu sagen.

Coin Kurier: Die Dash-Adaption boomt in Venezuela. Die Masternodes werden aber größtenteils aus Industrieländern betrieben. Ist das ein Problem?

Meyer: Die Stimmung in der Community, und so sieht man es auch bei den Entscheidungen der DGBB [Decentralized Governance by Blockchain], ist so, dass Anträge in Schwellenländern und von Inflation gebeutelten Ländern unterstützt werden. Das grundliegende Interesse einer Masternode liegt im Endeffekt darin, dass Dash ein erfolgreiches Projekt wird. Unterm Strich sollen also so viele Akzeptanzstellen wie möglich geschaffen werden, damit Dash auch tatsächlich als digitales Bargeld eingesetzt werden kann. Da muss man sich natürlich fragen, in welchen Märkten das am besten funktioniert. Da ist Venezuela ganz klar aktuell Vorreiter.

Coin Kurier: Wie bewertest Du die Tatsache, dass die Maduro-Regierung in Venezuela in Teilen dreist Euer Whitepaper kopiert und auf den Petro projiziert hat? 

Meyer: Da kann ich nicht wirklich etwas zu sagen, da ich mich damit nicht ausreichend beschäftigt habe.

Coin Kurier: Sie haben angekündigt, sich besonders an die türkische Bevölkerung im deutschsprachigen Raum wenden zu wollen, da die Türkische Lira gerade starker Inflation ausgesetzt ist. Was genau planen Sie in dieser Hinsicht?

Meyer: Als kleines Intro zu der Türkei-Geschichte: Wir waren Mitte dieses Jahres auf der Krypto-Valley Konferenz in der Schweiz. Dort wurde ich von einer Dame angesprochen, die mir sagte: „Das was ihr hier mit der Dash Embassy macht, ist so ein tolles Projekt, sowas hätten wir auch gerne bei uns in der Türkei.“ Da haben wir gesagt: „Grundsätzlich auf jeden Fall.“ Wenn es der türkischen Bevölkerung irgendwie hilft, was es wahrscheinlich wird, dann ist das ein interessanter Markt. Vielleicht nicht ganz so krass wie Venezuela, aber schon irgendwie vergleichbar. So haben wir uns auf einen Blockchain-Summit im November in Ankara einladen lassen. Dort werden wir einen grundlegenden Vortrag über Dash halten, dann aber auch erklären, was wir hier eigentlich bei der Embassy machen und auch zeigen: Die Dash Embassy ist eine Open Source Firma, die kann also einfach kopiert werden. Jeder kann bei sich eine Dash Embassy aufsetzen.

Genau so ist es gerade in Thailand passiert. Es gibt jetzt seit diesem Monat die Dash Embassy Thailand, die wir natürlich mit allen Informationen und Erfahrungen, die wir bisher gemacht haben, unterstützen. Ich hoffe, wir werden bald eine Dash Embassy in der Türkei haben. Wir müssen dafür motivierte Leute vor Ort finden. Wir wollen die nicht selber betreiben, sondern es soll dezentral organisiert bleiben, sodass jeder für seine eigene Region verantwortlich ist. Sobald das geschafft ist, wollen wir mit der türkischen Community im deutschsprachigen Raum Kontakt aufnehmen und ihnen zeigen: Wenn ihr Gelder zu euren Familien nach Hause schickt, dann könnte Dash eine gute Alternative sein.

Coin Kurier: Wie genau hat es sich ergeben, dass es jetzt eine Dash Embassy in Thailand gibt?

Meyer: Dort haben sich einfach Menschen gemeldet, die gesagt haben: „Hey wir haben Lust, etwas für Dash zu machen.“ Dann haben wir denen erklärt, was wir bei der Dash Embassy im D-A-CH-Raum machen. Die waren begeistert und wollten das auch. Dann wurde ein Antrag gestellt und die Masternodes haben entschieden: „Ja, in Thailand soll es eine Embassy geben“.

Coin Kurier: Also ist die D-A-CH Dash Embassy quasi ein Vorreiter, der weltweit kopiert wird?

Meyer: Richtig.

Coin Kurier:  Das kommende Update Dash Evolution soll Dash vor allem benutzerfreundlicher machen. Durch welche Änderungen soll das geschehen?

Meyer: Dash Evolution wird in mehreren Schritten aufgerollt. Die erste Version ist für Ende dieses Jahres, Anfang kommenden Jahres geplant. Zu diesem Zeitpunkt werden sich die Änderungen für den Nutzer wahrscheinlich noch gar nicht so intensiv zeigen. Dash Evolution ist eigentlich eine Plattform, auf der dezentrale APIs bereitgestellt werden, um eine einfachere Integration von Dash in bestehende Systeme der Finanzindustrie zu ermöglichen. Aber auch die Interaktion mit der Dash-Blockchain generell soll komfortabler gestaltet werden. Daraus resultierend steigt natürlich auch die Nutzerfreundlichkeit. Für genaue Informationen gibt es auf Dash.org z.B. die Roadmap. Auf GitHub sind viele Sachen noch nicht öffentlich zugänglich, da sie noch nicht fertig sind, aber trotzdem ist dort wahrscheinlich die beste Informationensquelle. Auch auf Dash Force News gibt es immer wieder Evolution-Updates.

Coin Kurier: In den USA macht der Zahlungsdienstleister Alternate36 die Cannabis-Industrie durch Nutzung von Dash vom Bargeld unabhängig. Wie kam es dazu?

Meyer: Bei der Cannabis-Industrie ist es ähnlich wie bei der Glücksspiel-Industrie. Sie wird von den klassischen Zahlungsdienstleistern wie Kreditkartenfirmen als Hochrisiko-Sektor eingestuft, sodass sie teilweise für Transaktionen hohe Gebühren zahlen müssen. Sie bekommen schlechtere Verträge als z.B. Lebensmittel-Einzelhändler. Sie stecken also in der Situation, dass sie entweder Bargeld akzeptieren oder enorm hohe Transaktionsgebühren zahlen müssen. Deswegen gibt es so ähnlich wie in Venezuela einen Markt, der per definitionem offen für Alternativen ist.

Coin Kurier: Vielen Dank für das Gespräch.

Meyer: Ich danke Ihnen.

Konnte Dich Jan Meyer von Dash überzeugen? Schreib uns deine Gedanken dazu in die Kommentarspalte!

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