Interview mit Robert Küfner: „Satoshi ist wie Jesus auf die Welt gekommen, um uns zu erlösen“

0
1251
⏱ Lesezeit: 3 Minuten

Aus dem kalten Leipzig sprachen wir über Skype mit dem im warmen Florida sitzenden Bitcoin-Urgestein und Gründer von Nakamo.to Robert Küfner über Bitcoin, Blockchain und den Puls der Zeit im Krypto-Ökosystem.

Coin Kurier: Du bist schon seit 2010 im Markt. Wie kam es dazu, dass Du Dich schon so früh mit Bitcoin beschäftigt hast?

Robert Küfner: Ja, in der Tat schürfe ich Bitcoin schon seit 2010. Ich habe damals einen Artikel im Vice-Magazin gelesen und fand den Ansatz einfach toll. Die Welt ist gerade zusammengebrochen, ich habe die Uni geschmissen und dann kam da dieser Blueprint einer „New Economy“ daher. Ich war sofort gehooked. Ich habe den Artikel an einem Freitag gelesen und am Montag habe ich schon an gar nichts anderes mehr denken können. Ich habe also sofort die ersten Rigs, damals noch CPUs, zusammengebaut und angefangen zu minen. Und bis 2013 bin ich dann noch einer ganz normalen Arbeit nachgegangen.

Coin Kurier: Und dann hast Du Deine eigene Firma gegründet?

Robert Küfner: Ja, genau. Wir haben damals angefangen unsere Mining-Power an Dritte zu vermieten. Die haben dann die neu geschürften, jungfräulichen Bitcoins erhalten und uns dafür wiederum in einer höheren Anzahl Bitcoins, die allerdings schon länger im Umlauf waren, bezahlt. Daraus haben wir dann eine Firma gemacht.

Coin Kurier: Hast Du schon 2010 erkannt, was Bitcoin einmal für ein großes Ding werden könnte, oder war das für Dich anfangs nur Liebhaberei?

Robert Küfner: Nur Liebhaberei war es für mich nie. Auch wenn sich das jetzt retrospektiv etwas arrogant anhören mag, haben wir damals schon gesagt, dass die Technologie dahinter die Welt verändern wird. Und ich denke im Übrigen, dass wir immer noch absolut bei Stunde Null sind. Was dort losgetreten wurde, lässt sich nicht mehr aufhalten. Satoshi Nakamoto, Jesus 2.0, ist auf die Erde gekommen, um die Welt aus der Geißel der Zentralisierung zu befreien. Krypto ist die Gegenbewegung zu der zunehmenden Zentralisierung.

Coin Kurier: Was macht diese Gegenbewegung aus?

Robert Küfner: Wenn man sich einmal unser akutelles Finanzsystem ansieht, passiert tagtäglich eine enorme Umverteilung von der breiten Masse auf die 1%. Das wird sich nicht ändern, weil das System in erster Linie immer sich selber dient, weil unser neoliberalistisches, kapitalistisches System darauf aus ist, sich selber zu dienen. Das ist nicht nachhaltig und kann nicht funktionieren. Bitcoin hingegen hat keinen CEO, ist unzerstörbar und ist deflationär. Ich sage, dass das ein extrem großer Schritt menschlicher Evolutionsgeschichte ist und das erste mal, dass wir die Zügel wirklich selber in die Hand nehmen können.

Coin Kurier: Hältst Du die Blockchain für skalierbar?

Robert Küfner: Nein. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, die Blockchain ist outdated, die Blockchain funktioniert sowieso nicht. Die Blockchain ist eine ziemliche Sch–ß Idee. Solange man Blockzeiten und Blockgrößen hat, hat man nämlich ein riesengroßes Skalierbarkeitsproblem. Ich persönlich interessiere mich auch eigentlich gar nicht mehr für die Blockchain. Ich spreche hier viel lieber über Distributed Ledger Technologien. Bitcoin ist nun einmal eine enorm veraltete Technologie. Womit wir uns gerade besonders beschäftigen, sind Directed Acyclic Graphs (DAGs).

Coin Kurier: Und ihr arbeitet an DAG-Modellen?

Robert Küfner: Ja, wir arbeiten sehr intensiv an einem Modell, dass wir Peaq nennen. Wir sind zwar noch in der Entwicklungsphase, glauben aber, dass wir die Möglichkeit haben, hiermit alles Gute was an dezentralen Technologien gerade vorhanden ist, zusammenzubringen. Nach Bitcoin, Ethereum und IOTA könnte Peaq die jüngste aber vielversprechendste Generation von DLT werden. Und ähnlich wie IOTA, bedient sich Peaq eben dem Mechanismus der Directed Acyclic Graphs.

Coin Kurier: Wenn Du Bitcoin mit einem Begriff beschreiben müsstest, welcher wäre das?

Robert Küfner: Hacking the System.

Coin Kurier: Es gibt unglaublich viele Bücher über Bitcoin da draussen, jetzt hast auch Du mit „Das Krypto-Jahrzehnt“ Dein eigenes Buch herausgebracht. Welchen Mehrwert bringt Deine Literatur in den ohnehin schon gesättigten Bücher-Markt für das Gebiet?

Robert Küfner: In dem Buch geht es mit keinem Wort um mich. Es erklärt vom 30. Oktober 2008 bis heute minutiös um die Geschichte des Kryptogeldes. Ich wollte einfach, dass mal jemand, der es wirklich selbst miterlebt hat für die künftigen Generationen aufschreibt, was in dieser Zeit eigentlich alles passiert ist. Und dieser Aufgabe habe ich mich in meinem Buch gewidmet.

Coin Kurier: Robert, vielen Dank für das Gespräch!

Robert Küfner: Gerne.

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here