Japanischer Messenger startet weltweite Krypto-Exchange – Japaner sind ausgeschlossen

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LINE musste kämpfen, um sich im japanischen Kryptomarkt durchzusetzen | © Depositphotos

LINE, eine Kurznachrichten-App, die vor allem in Japan verbreitet ist, hat eine eigene Krypto-Exchange mit dem Namen BITBOX gestartet. Sie bietet den Handel von etwa 30 Digitalwährungen an, allerdings ohne Fiat-Zugang. Ironischerweise wird der Dienst aus regulatorischen Gründen in Japan vorerst nicht angeboten. 

Nicht überall auf der Welt werden dieselben Internet-Dienste genutzt wie hierzulande. Das kann wie in China an autoritärer Politik liegen, die den Besuch ausländischer Seiten verbietet. Chinesen nutzen statt Google daher die Suchmaschine Baidu. In manchen Fällen schaffen es asiatische Unternehmen aber auch, sich gegen die westliche Konkurrenz durchzusetzen, ohne durch begünstigende Regulierungen einen Marktvorteil zu erhalten.

So geschah es bei dem Messenger-Dienst LINE. Als durch die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe 2011 die Infrastruktur der Telekommunikationsdienste in Japan beschädigt war, trug die damals neue App zur Lösung dazu bei, dass Familien wieder zusammenfanden und schnelle Kommunikation für den Wiederaufbau gewährleistet wurde. Heute verzeichnet LINE 600 Millionen Nutzer, über 200 Millionen davon sind monatlich aktiv.

Nun will die LINE Corporation ihre beachtliche Nutzerschaft mit den gerade in Ostasien beliebten Kryptowährungen verbinden. Dafür wurde mit BITBOX eine eigene Exchange und Hot-Wallet ins Leben gerufen. Auf dieser sind etwa 30 verschiedene Digitalwährungen handelbar. Ein Fiat-Zugang ist nicht möglich.

Die Sicherheit soll durch eine Kooperation mit der Firma BitGo gewährleistet werden. Der Blockchain-Sicherheitsdienstleister hat bereits knapp fünf Jahre Erfahrung in der Branche. Als Lock-Angebot hat BITBOX für den ersten Monat die Gebühren ausgesetzt und den ersten zwei Millionen Kunden eine Belohnung von Krypto-Geld im Wert von zehn Dollar versprochen.

Probleme mit Regulatoren versperren zwei lukrative Märkte

Obwohl die meisten LINE-Nutzer in Japan leben, wird BITBOX seinen Sitz in Singapur haben. Gerade Japaner und US-Amerikaner werden paradoxerweise vorerst von der Nutzung ausgeschlossen. Die Gründe dafür liegen in den strengen Regulierungen der beiden Länder.

In Japan wurden die Daumenschrauben für Krypto-Börsen im Laufe dieses Jahres immer weiter angezogen. Die Finanzaufsichtsbehörde FSA untersagte mehreren Exchanges jede weitere Tätigkeit. Bisherige Dienste wurden mit harten Auflagen beladen.

Das führte dazu, dass Binance, die aktuell weltgrößte Exchange, Japan verließ und nun ihre Tätigkeit auf Malta fortsetzt. Doch damit nicht genug, im Mai zwang die FSA Exchanges, die drei bekannten Privacy-Coins Monero, Dash und Zcash, sowie den Reputation-Token von Augur aus dem Handel zu nehmen.  Trotz dieser Hürden hat sich LINE für eine Lizenz der FSA beworben, allerdings noch keine Erfolg verkündet.

Auch US-Amerikaner sind aus finanzpolitischen Gründen von BITBOX ausgeschlossen. Das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ bietet nicht gerade viel Freiheit, wenn es um Geldfragen geht. Unter anderem wird die Offenlegung aller Konten im Wert von über 10.000 Dollar bei ausländischen Instituten erzwungen. Neben Krypto-Börsen haben es vor allem auch ICOs schwer, den amerikanischen Gesetzen zu genügen, so dass häufig US-Bürger von vornherein abgelehnt werden.

Wird die neue Exchange viele Anleger in den Markt bringen oder gibt es sowieso schon zu viele Krypto-Börsen? Schreibe uns deine Gedanken dazu in die Kommentarspalte.

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