Kenia: Mehrheit der Bevölkerung nutzt Digitalwährung M-Pesa

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An anderen Teilen der Welt sind Digitalwährungen bereits fest in den Strukturen verwurzelt. | © Stock-Graphics

Das kenianische Finanzministerium wurde vom Parlament angehalten, sich näher mit Kryptowährungen zu beschäftigen. Das Regulierungs-resistente Kryptogeld macht mittlerweile 2% des BIPs aus. Aber Digitalwährungen sind in der ostafrikanischen Republik nichts Neues. Bereits 2007 hat der mobile Bezahldienst M-Pesa Einzug in die Mitte der Gesellschaft erhalten. Wofür braucht Kenia also noch Bitcoin?

In Kenia gehört Digitalgeld bereits seit 2007 zum Alltag. Für mehr als die Hälfte der Kenianer ist der mobile Bezahldienst M-Pesa nicht mehr wegzudenken. Er hat es ermöglicht, dass Millionen von Kenianern ohne direkten Zugang zu Banken digital Geld verschicken können. Entstanden ist die Idee von M-Pesa in der britischen Behörde für Entwicklungsarbeit (DFID), nachdem diese registriert hatte, dass sich Kenianer mobile Gesprächsminuten als Geldersatz hin- und herschickten. M-Pesa wurde eine Erfolgsgeschichte, die zum beispiellosen Aufstieg der kenianischen Volkswirtschaft beigetragen hat.

An Relevanz für die Kryptogemeinde gewinnt M-Pesa aktuell, weil das kenianische Parlament seinem Finanzminister zwei Wochen eingeräumt hat, um eine Entscheidung zur Causa Kryptowährungen zu fällen. Die dezentralen Alternativen zum etablierten Digitalgeld M-Pesa lassen sich nämlich staatlich kaum regulieren. M-Pesa wird vom kenianischen Mobilfunkanbieter Safaricom herausgegeben. Ein Unternehmen, in das auch der kenianische Staat investiert hat. Zur Zeit soll er 35% der Anteile halten.

Eine Erfolgsgeschichte

Ungenügende Finanzdienstleistungen sind zweifellos ein Mitgrund dafür, dass Entwicklungsländer oft nur beschwerlich aus den Startlöchern kommen. Produktivität hängt untrennbar mit der Möglichkeit zusammen, Finanzmittel unkompliziert austauschen zu können. Wie will ein Kenianer im digitalen Zeitalter ein Unternehmen gründen, wenn er nicht die Möglichkeit hat, digital Geld zu bewegen?

Für eine kleine Gebühr können Kenianer unkompliziert Transaktionen tätigen und damit den täglichen Einkauf erledigen, ihre Miete zahlen oder Medikamente besorgen. Ein Luxus, der vor allem Kenianern in ländlichen Regionen zu Gute kommt, die ansonsten immer den Weg zur Bank in die nächste Großstadt hätten bestreiten müssen. Dem CIA World Factbook zufolge, arbeiten ca. 75% der Kenianer im Ackerbau und laufen daher nicht jeden Tag an einer Bank vorbei. Hier greift M-Pesa ideal.

Auch andere Länder haben von dem Erfolg der ostafrikanischen Republik mit dem Digitalgeld Notiz genommen. M-Paisa in Afghanistan, EasyPaisa in Pakistan und bKash (hat nichts mit Bitcoin Cash zu tun) in Bangladesh haben am Erfolg von M-Pesa angeknüpft und sind nun ebenfalls etablierte Finanzdienstleister auf mobiler Basis.

Aber nicht überall tragen mobile Zahlungsdienste Früchte. Südafrika zum Beispiel war bereits zu gut entwickelt gewesen. Da der konventionelle Bankensektor hier schon fest in der Wirtschaft eingebunden war, kamen alle Anstrengungen, das Digitalgeld von Kenia nachzubilden, zu spät.

Bedeutung für Kryptowährungen

M-Pesa wurde 2007, also ein Jahr vor der Präsentation des Bitcoin-Whitepapers, geboren. Es hat aufgezeigt, wie wichtig Digitalwährungen vor allem auch für Entwicklungsländer sind. Allerdings gibt es hier einen signifikanten Unterschied zwischen Kryptogeld wie Bitcoin und Digitalgeld wie M-Pesa. Letzteres ist mitnichten dezentral und unangreifbar für Hackangriffe.

Genau deswegen gewinnt Bitcoin in Kenia immer mehr an Bedeutung. Einem Bericht der Citibank vom Januar dieses Jahres zufolge, ist der Bitcoin nur bei vier Ländern besser angekommen als in Kenia. Mehr als 2% des nationalen Bruttoinlandsproduktes wird in Bitcoin gehalten. Sollte sich das kenianische Finanzministerium in den kommenden zwei Monaten für einen Pro-Bitcoin-Kurs entscheiden, könnte Bitcoin in Kenia weiter an Einfluss gewinnen.

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