Skandal-Exchange QuadrigaCX erhält Gläubigerschutz

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Die Einlagen der QuadrigaCX-Kunden bleiben verschwunden, doch die Exchange bekommt nun mehr Zeit für die Suche. | © Depositphotos

Ein kanadisches Gericht gewährt der Exchange QuadrigaCX Gläubigerschutz. Damit ist die Kryptobörse für die nächsten 30 Tage vor Anklagen sicher und hat Zeit, irgendwie wieder an Geld zu kommen und ihre Gläubiger auszahlen zu können.

Die angeschlagene kanadische Exchange QuadrigaCX hat sich etwas Zeit verschafft. Am Dienstag akzeptierte der oberste Gerichtshof der Provinz Nova Scotia einen Antrag der Kryptobörse auf Gläubigerschutz gemäß dem Companies Creditors Arrangement Act (CCAA). Das berichtete der örtliche Sender CBC.

In den USA und Kanada bedeutet Gläubigerschutz (Creditor Protection) nicht den Schutz der Interessen des Gläubigers, sondern vielmehr den Schutz des Schuldners vor dem Gläubiger. In Schwierigkeiten geratene Unternehmen bekommen eine Schonzeit, in der sie sich restrukturieren und ihre Finanzen in Ordnung bringen können.

QuadrigaCX schuldet seinen rund 115.000 Kunden umgerechnet etwa 166 Millionen Euro in Kryptowährungen. Die traurige Ironie ist, dass die Coins laut Angaben der Exchange nicht etwa gestohlen wurden, sondern einfach nicht mehr aufzufinden seien.

Gerald Cotten, der offenbar kürzlich verstorbene Exchange-Gründer und -CEO, habe „die alleinige Verantwortung für den Umgang mit Einlagen von QuadrigaCX getragen”, heißt es aktuell auf der Webseite der Kryptobörse. Niemand sonst könne auf die in Cold Wallets gelagerten Coins zugreifen.

QuadrigaCX ist nun für die nächsten 30 Tage vor Anklagen geschützt und steht unter der Aufsicht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Wenn es nicht doch noch irgendwie gelingen sollte, die verlorenen Einlagen wiederherzustellen, muss die Exchange möglicherweise verkauft werden, um die Kunden entschädigen zu können.

Als Anlaufstelle für Rückfragen verwies QuadrigaCX auf die E-Mail-Adresse quadriga.monitor@ca.ey.com von Ernst & Young.

Totenschein des Exchange-Gründers aufgetaucht

Ebenfalls am Dienstag veröffentlichte Coindesk den in Indien ausgestellten Totenschein von QuadrigaCX-Gründer Cotten. Laut dem Dokument verstarb er am 9. Dezember 2018 in einem Krankenhaus in der nordindischen Stadt Jaipur. Es verging demnach über ein Monat, bis die Exchange den Tod ihres CEO auf Twitter bekannt machte.

Während der Totenschein keine Todesursache nennt, starb Cotten laut der eidesstattlichen Erklärung seiner Witwe an der Darmerkrankung Morbus Crohn. Bei dem indischen Dokument fällt auf, dass der Name des Verstorbenen falsch geschrieben wurde („Cotton“ statt „Cotten“). Ein solches Detail gibt natürlich Skeptikern neue Nahrung, die nicht nur an dem Dokument, sondern an der gesamten Geschichte von Cottens Tod zweifeln.

Bloomberg machte auf einen weiteren, potentiell brisanten, Sachverhalt aufmerksam: Wenige Tage vor seinem plötzlichen Tod, am 27. November 2018, machte Cotten sein Testament und erklärte darin seine Ehefrau zur alleinigen Erbin.

Wie der Coin Kurier berichtete, mehren sich die Hinweise auf einen spektakulären Exit Scam.

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