Populäre Satoshi Nakamoto-Biographie entpuppt sich als dreiste Ripple (XRP)-Schleichwerbung

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Wer auf YouTube „Satoshi Nakamoto“ sucht, das Pseudonym des Erfinders von Bitcoin (BTC), stößt auf ein Video des äußerst populären Kanals Biographics. Dieses steckt jedoch voller Desinformationen und hört sich eher nach einem Werbefilm für Ripple (XRP) an.

Der YouTube-Kanal Biographics stellt die Lebensläufe meist historischer Persönlichkeiten, von Königen bis zu Serienkillern, in leicht verdaulichen 15- bis 30-minütigen Videos vor. Der Kanal ist äußerst erfolgreich und hat knapp 500.000 Abonnenten.

Im Februar veröffentlichte Biographics ein Video über den mysteriösen Bitcoin (BTC)-Erfinder Satoshi Nakamoto. Darin werden die Geschichte des Bitcoins und einige Personen vorgestellt, die möglicherweise hinter Satoshi stecken könnten.

Leider scheint Biographics-Erzähler Simon Whistler jedoch entweder keine Ahnung von dem Thema zu haben oder für die Verbreitung von Lügen bezahlt worden zu sein. Er schreckt jedenfalls nicht vor Falschaussagen zurück, um Bitcoin schlechtzumachen und Ripple (XRP) als überlegene Kryptowährung darzustellen.

Die wohl dickste Lüge besteht darin, dass Bitcoin-Transaktionen „zum jetzigen Zeitpunkt“ Stunden oder sogar Tage brauchen und jeweils rund 40 US-Dollar kosten würden. Dies mag für einen kurzen Zeitraum während der letzten Spekulationsblase Ende 2017 gestimmt haben, war aber zur Zeit der Veröffentlichung des Videos (im Frühjahr 2019) schon längst nicht mehr der Fall. Laut Bitcoinfees.info kostet eine Transaktion aktuell rund zwei US-Dollar, um in maximal 10 Minuten bearbeitet zu werden.

Wer es aber noch schneller und günstiger haben will, kann das Lightning Network (LN) nutzen. Diese Skalierungstechnologie, bei der Transaktionen auf einer zweiten Ebene (Second Layer) über der Blockchain verarbeitet werden, wird jedoch von Biographics verschwiegen.

Bitcoin in „Abwärtsspirale“, Ripple wird in den Himmel gelobt

Whistler zufolge würden die Bitcoin-Anhänger mit „totaler Verleugnung“ auf die angebliche „Abwärtsspirale“ ihrer Kryptowährung reagieren. Sie würden blind auf Satoshi vertrauen, obwohl dieser das Projekt schon lange hinter sich gelassen habe. Dabei wird es fälschlicherweise so dargestellt, als habe Bitcoin seit Jahren keinerlei Weiterentwicklung mehr erfahren.

Für Ripple dagegen hat Biographics nur Lob übrig. Dessen System sei „deutlich nachhaltiger als Bitcoin es jemals war“. Ironischerweise wird Ripple sogar zugutegehalten, dass die Firma mit der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) kooperiert. Dabei gilt die Fed doch geradezu als Inbegriff des inflationären Fiatgeld-Systems, welches viele Krypto-Anhänger durch Bitcoin abzuschaffen hoffen.

Satoshis wahre Vision ist XRP?

Whistler erklärt wahrheitsgemäß, dass Aussagen Satoshis für manche Leute zu einer Art religiösen Schrift geworden sind. Anhänger von Bitcoin Cash (BCH) und Bitcoin SV (BSV) behaupten „Satoshis Vision“ zu vertreten und verklären Satoshis Blog-Einträge damit quasi zu Psalmen, die über jede Kritik erhaben sind.

Ironischerweise macht Whistler dann aber genau dasselbe, nur dass ihm zufolge Satoshi ein Ripple-Anhänger gewesen sei. 2009 hatte der Bitcoin-Erfinder nämlich Ripple in einer E-Mail als „interessant“ bezeichnet. Es sei „das einzige andere System, das etwas mit Vertrauen macht, abgesehen davon, dass es dieses auf einem zentralen Server konzentriert“.

Laut Whistler habe Satoshi damit zugegeben, dass Ripple der einzige echte Konkurrent von BTC und dazu eine „wahre Verbesserung gegenüber Bitcoin“ sei. Dabei sprach Satoshi keineswegs von einer Verbesserung – ein zentraler Server ist für Krypto-Fans eindeutig negativ besetzt. Und welche anderen Bitcoin-Konkurrenten hätte er im Jahr 2009 denn erwähnen sollen? Litecoin (LTC) wurde erst 2011 gegründet, Ethereum (ETH) im Jahr 2013 vorgestellt.

Wie würde Satoshi wohl heutzutage Ripple bewerten? Schreib uns Deine Gedanken dazu in die Kommentarspalte!

© Bild via Depositphotos

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