Autor des „Kryptoanarchistischen Manifests“ Tim May verstorben

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Tim May in einem YouTube-Video. | © Tim May

Tim May, Verfasser des „Kryptoanarchistischen Manifests“ und Mitersteller der Cypherpunk-Mailingliste, ist vergangene Woche offenbar eines natürlichen Todes gestorben. Zuletzt hatte er die ausufernde Regulierung in der Krypto-Branche kritisiert.

Für Viele beginnt die Geschichte der Kryptowährungen mit der Veröffentlichung des Bitcoin-Whitepapers 2008. Doch schon lange zuvor hatte die Bewegung der Cypherpunks an Verschlüsselungstechnologien zum Schutz von Freiheit und Privatsphäre gearbeitet und somit das Fundament für digitales Geld bereitet. Tim May, ein Pionier dieser Strömung, ist nun im Alter von 67 Jahren verstorben, wie sein Freund Lucky Green am Samstag auf Facebook bekannt gab. Er starb offenbar eines natürlichen Todes in seinem Haus im kalifornischen Corralitos. Die genaue Todesursache ist noch nicht bekannt.

Das „Kryptoanarchistische Manifest“

May wurde unter anderem für sein „Kryptoanarchistisches Manifest“ bekannt. Dieser 1992 veröffentlichte Aufsatz sah eine Welt voraus, in der Menschen nicht nur in völliger Anonymität Nachrichten austauschen, sondern auch Handel treiben und Verträge schließen würden. Eine interessante Vorausnahme der mittlerweile weit verbreiteten Smart Contracts.

May erkannte damals auch schon, dass Regierungen gute Gründe für den Kampf gegen diese Entwicklung haben würden. Sei es die Verbreitung von Staatsgeheimissen, Handel mit gestohlenen Gütern oder „abstoßende Märkte für Attentate und Erpressung“. Doch dies werde die Verbreitung der Kryptoanarchie nicht aufhalten können.

Die Cypherpunks-Mailingliste

Im selben Jahr hatte er bereits zusammen mit seinen Freunden Eric Hughes und Hugh Daniels die Cypherpunks-Mailingliste ins Leben gerufen. Dort schrieb er auch mit Abstand die meisten Beiträge. Andere sehr produktive Autoren der Liste waren Adam Back, Erfinder des Bitcoin-Vorläufers Hashcash und aktueller CEO der Blockchain-Entwicklerfirma Blockstream, sowie Hal Finney, der 2014 an ALS verstorbene erste Empfänger einer Bitcoin-Transaktion. Auch Nick Szabo und Wei Dai, die Erfinder der frühen Digitalgeld-Varianten Bit gold und B-Money, diskutierten hier ihre Ideen.

Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto wurde ohne Zweifel von den Ideen dieser Persönlichkeiten inspiriert. Back und Dai werden von ihm in den Fußnoten des Bitcoin-Whitepapers erwähnt. Viele halten es zudem für wahrscheinlich, dass Szabo und Nakamoto ein und dieselbe Person sind.

„Satoshi würde kotzen“

In seinem letzten veröffentlichten Interview nannte Tim May Satoshis Erfindung „eine brillante Sache“, ging allerdings mit dem aktuellen Stand der Kryptobranche hart ins Gericht: Bitcoin werde schlicht langweilig und uninteressant, wenn Exchanges ihre Kunden mit KYC (Know Your Customer)-Vorschriften gängeln und „verdächtige Aktivitäten“ sofort der Polizei melden würden. Diese Entwicklung laufe zudem auf einen Überwachungsstaat hinaus.

Anwendungen, wie der inzwischen vom FBI geschlossene Online-Handelsplatz Silk Road, hätten Kryptowährungen interessant gemacht und Nutzer angelockt, gerade weil sie die Regulierungen umgangen hätten. „Ich denke, Satoshi würde kotzen. Oder zumindest an einem Ersatz für Bitcoin arbeiten, so wie er ihn zuerst 2008 bis 2009 beschrieben hat“, so Mays vernichtendes Urteil.

Kannst Du Dich Mays letzter Kritik an der Krypto-Industrie anschließen oder ist strenge Regulierung in Deinen Augen unerlässlich? Schreib uns Deine Gedanken dazu in die Kommentarspalte!

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