Wirtschaftsprüfer ziehen in Enthüllungsbericht ernüchternde Bilanz zu ICOs

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ICOs sind statistisch gesehen nicht lohnenswert. | © Depositphotos
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Ernst & Young hat einen neuen Bericht über die Entwicklung von ICOs präsentiert. Es handelt sich um die Aktualisierung einer Studie vom vergangenen Dezember. 87% der untersuchten Projekte werden aktuell unter dem Listungspreis gehandelt. 71% haben immer noch kein Produkt gestartet. Investitionen in ICOs waren im September erstmals seit Mai 2017 unter 300 Millionen Dollar gefallen.

Das Konzept des Initial Coin Offering (ICO), eines erstmaligen Verkaufs von Tokens zur Finanzierung eines Projektes, scheint laut einem neuen Bericht seine besten Tage hinter sich zu haben. Ernst & Young (EY), eines der vier weltweit führenden Wirtschaftsprüfungsunternehmen, blickte in einer neuen Studie auf die 141 größten ICO-Projekte 2017 zurück und zog ein ernüchterndes Fazit.

Viele Projekte haben noch kein Produkt gestartet

Die Untersuchung, welche eine ausführlichere Studie vom vergangenen Dezember aktualisiert, verortet 71% der Projekte immer noch in der „Ideen“-Phase. Sie konnten also bislang noch keinen Prototyp vorlegen, geschweige denn ein fertiges Produkt. Immerhin eine leichte Verbesserung, hatte die Zahl doch 2017 noch bei 84% gelegen. Trotzdem sei das immer noch ein weit geringerer Fortschritt, als man bei einem durch Risikokapitalgeber finanzierten Startup erwarten würde.

Sieben der 25 Projekte mit einem funktionierendem Produkt hätten zudem ihre eigenen Tokens entwertet, indem sie diese nicht als alleiniges Zahlungsmittel akzeptierten, sondern alternativ noch den US-Dollar nutzten. Dadurch würden die Coins handelsüblichen Treue-Punkten sehr ähnlich.

„Das sieht schlimmer aus, als wir gedacht hatten“ konstatierte Paul Brody, Leiter für globale Innovation durch Blockchain-Technologie bei Ernst & Young, in einem Interview mit der kanadischen Zeitung The Globe and Mail. Heutige ICO-Unternehmen seien qualitativ “viel, viel schlechter” als die Internet-Startups der 90er Jahre.

Kurse überwiegend im Keller

Auch preislich ist die Entwicklung der ICO-Projekte laut der E&Y-Studie mehr als bescheiden. 86% der Tokens würden heute unter dem Preis gehandelt, den sie bei der erstmaligen Listung auf einer Exchange hatten. 30% hätten „im Wesentlichen allen Wert verloren“. Ihr Preis ist um mehr als 90% gefallen.

Die Zuwächse dagegen konzentrierten sich auf einen kleinen Kreis von Projekten, hauptsächlich im Bereich Blockchain-Infrastruktur. Die Top-Zehn-ICOs von 2017 seien für 99% der Nettogewinne verantwortlich. Unter ihnen befinden sich beispielsweise Binance, 0x, TRON und Tezos.

Weitere Anzeichen des Niedergangs

Der ICO-Boom erreichte Anfang dieses Jahres seinen Höhepunkt. In der ersten Hälfte von 2018 wurde mit fast 22 Milliarden Dollar mehr als dreimal so viel investiert wie 2017 insgesamt. In den vergangenen Monaten ist das Interesse allerdings stark eingebrochen. Die Finanzanalysten von Autonomous Research  berechneten, dass die Investitionen im September mit 279 Millionen US-Dollar nur noch bei etwa 10% des Betrages vom Januar lagen. Seit Mai 2017 war der Wert nicht mehr so niedrig gewesen.

Die Krypto-Nachrichtenseite Cointelegraph fand außerdem heraus, dass die Investitionen deutlich stärker sanken als die Anzahl der ICOs. Somit konnte die große Mehrheit (76%) der im September endenden Tokenverkäufe ihre Soft Cap, also ihr Mindestziel, nicht erreichen.

Kürzlich machte der Fall des Journalismus-Projektes Civil Schlagzeilen. Trotz millionenschwerer Investitionen durch das Blockchain-Unternehmen ConsenSys und einer Partnerschaft mit dem bekannten Wirtschaftsmagazin Forbes scheiterte das ICO des CVL-Tokens deutlich. Mindestens 8 Millionen Dollar hätten eingenommen werden sollen, am Ende waren es bloß etwa 1,4 Millionen.

Hat das Konzept ICO keine Zukunft? Oder werden sich auch die Tokenverkäufe wieder erholen, wenn Kryptowährungen insgesamt einen neuen Aufschwung erfahren? Schreib uns deine Gedanken dazu in die Kommentarspalte!

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