Deutet die Pleite einiger Miner und Exchanges das Ableben der Krypto-Industrie an? Nein.

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Die Bären beherrschen den Markt. Aber stirbt gerade die ganze Industrie? | © Toggo.de
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Nachdem gestern die Exchange Liqui geschlossen hat, fantasieren nun einige Schwarzmaler über einen Krypto-Kollaps. Dieser Pessimismus ist nicht gerechtfertigt.

Gestern hat die Krypto-Exchange Liqui, zum allgemeinen Bedauern der Krypto-Gemeinde, die Pforten geschlossen. Wer noch Tokens in Liquis Web-Wallets liegen hat, kann diese noch im Laufe der nächsten 30 Tage abheben. Trotz Liquis bescheidener Größe (die Exchange rangiert, gemessen nach Volumen, gerade einmal auf Platz 180), sehen einige Krypto-Enthusiasten die Schließung der traditionsreichen Exchange als ein schlechtes Omen an.

Die in den Ukraine sitzende Exchange teilte in einer kurzen Abschiedsnotiz mit, dass sie ihre Dienste einstellen müsse, da sie ihre Kunden nicht mehr mit ausreichend Liquidität ausstatten könne. Das entbehrt angesichts des Firmennamens nicht auch einer gewissen Ironie. Einigen Krypto-Fans ist aber gar nicht nach Lachen zumute.

Auch Miner gingen pleite

Nachdem zuletzt viele Miner ihre Rigs vom Strom genommen haben, befürchtet nun der ein oder andere Bitcoiner das Ableben der Exchanges und damit einhergehend den Zerfall der gesamten Krypto-Infrastruktur. Auch der führende Mining-Produzent Bitmain musste kürzlich 80% seiner Mitarbeiter entlassen, um Verluste auszugleichen.

In der Erklärung räumte Liqui ein, dass der rückläufige Kryptowährungsmarkt ursächlich für ihre drastische Entscheidung war. Die Gesamtmarktkapitalisierung ist laut CoinMarketCap in den vergangenen 13 Monaten von $826 Milliarden auf $112 Milliarden und damit um beinahe 87% eingebrochen.

Muss man sich Sorgen machen?

Ein wenig Ratio hilft hier allerdings, um den Kopf wieder aus dem Sand zu holen. Denn der starke Rückgang von Liquis Liquidität liegt vor allem auch daran, dass die größeren Konkurrenten ein drastisches Wachstum erfahren haben. Faktisch hat eine starke Abwanderung von klein nach groß stattgefunden. Hier sind vor allem Binance und Coinbase zu nennen, welche sicherlich auch einige Kunden von Liqui übernommen haben dürften.

Zweitens haben neue ICO-Regulationen dazu geführt, dass viele Firmen ihre Tokens nicht herausbringen durften. Gerade weniger bekannte Tokens sind allerdings das Überlebenselixier kleiner Exchanges.

Warum haben betroffene Exchanges also nicht einfach bekanntere Tokens in ihr Sortiment aufgenommen? Nun ja, um Bitcoin, Ether, Litecoin, Monero und Co auf seiner Plattform handeln zu können, braucht man wiederum viel Liquidität.

Somit könnte man also zurecht über eine Tendenz hin zu mehr Zentralität im Krypto-Börsensektor klagen, aber das Ende von Krypto bedeutet es deshalb noch lange nicht. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine geschlossene Exchange noch keinen Tod einer ganzen Industrie.

EDIT: Liqui.io hat wahrscheinlich einen Exit Scam vollzogen. Mehr dazu hier.

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