PoWH 3D und Fomo3D: 2 gigantische Ponzi-dApps dominieren derzeit den Markt

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Aus der Betrüger-Masche "Exit Scamm" macht Team JUST ein Spiel | © exitscam.me/play
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Die aktuell erfolgreichsten dezentralisierten Anwendungen auf Ethereum-Basis sind „PoWH 3D“ und „Fomo3D“. Beide sind Schöpfungen des Team JUST. Die Entwickler orientieren sich an bekannten Betrugsmaschen wie dem Ponzi-Scheme. Sie wollen diese aber eher parodieren und gehen offen mit ihrer eigentümlichen Masche um.

Dezentralisierte Applikationen (dApps) sollen der nächste Schritt auf dem Weg zu einer Welt ohne Zensur und Mittelsmänner sein, der mit dem Bitcoin-Whitepaper 2008 begonnen wurde. Sie bauen bislang hauptsächlich auf der Ethereum-Blockchain auf. Konkurrenten wie EOS oder NEO möchten allerdings ebenfalls die dominante Plattform für dApps werden.

Beispiele für dApps sind CryptoKitties, ein Spiel zum Sammeln von digitalen Kätzchen, oder die dezentralisierte Exchange IDEX. Schaut man sich allerdings die Rangliste von DappRadar an, sieht man zwei sehr spezielle Anwendungen an der Spitze.

© dappradar.com/dapps, Stand 25.07.2018 10:15 Uhr

Das P3D/F3D-Ökosystem

Die aktuell meisten Nutzer hat „PoWH 3D“, dicht gefolgt von „FOMO3D“. Beide dApps sind Produkte des anonymen Entwickler-Kollektivs Team JUST. Dabei handelt es sich um Produkte, die von ihrer Aufmachung her absichtlich an bekannte Betrüger-Maschen wie den Ponzi-Scheme erinnern. Das soll gewissermaßen einen ironischen Effekt haben. Eigenen Aussagen zufolge ist es ihnen aber ernst um ihre Projekte. Eine Betrugsmasche schwebt ihnen nicht vor, betonen sie.

Proof of Weak Hands 3D (PoWH 3D) und der P3D Token

Das ältere der beiden Projekte ist PoWH 3D, kurz „Proof of Weak Hands 3D“. Der Name parodiert Proof of Work, den Validierungsmechanismus von Bitcoin. Es handelt sich um eine spezielle Art von Krypto-Börse, in der man Ether (ETH) gegen sogenannte P3D-Token einwechseln kann.

Jedes mal wenn P3D gekauft oder verkauft werden, muss eine Gebühr von 10% entrichtet werden, die in ETH an alle P3D-Hodler verteilt wird. Wer also „schwache Hände“ hat und frühzeitig aussteigt, finanziert diejenigen, die mit ruhiger Hand einfach gehodlt haben.

Team JUST legt Wert auf die Dezentralität der Exchange. Die Entwickler haben ihrem Whitepaper zufolge keinerlei Kontrolle über die investierten Beträge, alles werde per Smart Contract abgewickelt. Ein Handel ist jederzeit möglich, weil dabei die Tokens nicht wie üblich zwischen zwei Personen ausgetauscht werden. Stattdessen erschafft der Smart Contract beim Kauf von P3D die entsprechenden Einheiten und vernichtet sie beim Verkauf.

Der Code des verwendeten Smart Contracts mit Namen “Hourglass” ist offen bei Etherscan, dem beliebten Onlinedienst zur transparenten Einsicht von Ether-Transaktionen, einsehbar. Die Bezeichnung soll ausdrücken, dass es sich statt eines Pyramidensystems, bei dem nur die ersten Investoren (Spitze der Pyramide) profitieren, um ein neuartiges “Sanduhrsystem” handelt. Das Geld fließt von den äußeren Enden (diejenigen die Tokens kaufen bzw. verkaufen) zu dem schmalen Zentrum (diejenigen, die ihre P3D schlicht halten).

Fomo3D, ein Exitscam als Spiel

Jeder hat davon gehört: Exit Scams. Man investiert bares Geld in ein ICO und erfährt kurze Zeit später, dass deren angebliche Entwickler mit dem Geld durchgebrannt sind. Fomo3D möchte dir nun ermöglichen deinen eigenen, ganz legalen Exit Scam zu veranstalten. Ein als ICO aufgezogenes Konzept ermöglicht dir nämlich eine bestimmte Anzahl an Tokens (genannt Keys) zu erwerben. Damit nimmst du direkt an der Losung um den Gewinn des Exit Scams teil. Wer das letzte Los erwirbt, gewinnt den Pot. Zur Zeit entspricht das 21.595,8351 Ether, oder neun Millionen Euro.

Fomo3D (F3D) baut teilweise auf PoWH 3D auf, und stellt eine Art Lotterie dar. Fomo ist ein unter Krypto-Enthusiasten verbreitetes Akronym für “Fear of missing out” (die Angst, nicht dabei zu sein). Es beschreibt das Gefühl, unbedingt auch investieren zu müssen, wenn alle anderen gerade große Gewinne einzufahren scheinen.

Eine Runde dieses F3D-Spiels geht wie folgt: Ein Timer läuft ab. Jeder kann sich einen Key, mit ETH kaufen und damit die Zeit um 30 Sekunden zurückdrehen. Zur Zeit kostet ein Key 0,0055 Ether, also knapp über 2€. Der Preis für einen Key steigt mit jedem Kauf. Daher besteht ein Anreiz möglichst früh möglichst viele Lose zu kaufen. Wenn die Zeit abläuft, kommt es zu einer Auszahlung und der letzte Käufer kann einen großen Teil des Topfes mit dem bisher gesammelten Geld für sich beanspruchen.

Dieser Vorgang wird ironisch als Exist Scam bezeichnet (die Web-Adresse von F3D heißt www.exitscam.me). Der Begriff bezeichnet eigentlich, dass sich der Organisator einer ICO mit dem gesammelten Geld aus dem Staub macht. Da die Keys nach und nach immer teurer werden, muss es schließlich einen Exist Scam geben, wenn sie für niemanden mehr erschwinglich sind.

Es soll zwei Versionen des Spiels geben, eine für lange Runden und eine für kurze. Bislang ist nur erstere am Netz. Bislang befindet sich der “ICO” noch immer in der ersten Runde.

Neben dem glücklichen Gewinner, der als letzter ein Los kauft, profitieren andere Key-Besitzer, sowie Halter des P3D-Tokens. Sowohl wenn neue Lose verkauft werden, als auch wenn der Jackpot geknackt wird, erhalten sie kleine Anteile.

Fazit

Obwohl das Produkt von Team JUST doch seriöser daherkommt als sie sich spaßeshalber geben, sollte man auf der Hut bleiben. P3D und F3D sind vielleicht interessante Projekte, bei denen man gespannt sein darf, ob sich die zu Grunde liegenden Konzepte bewähren werden. Aber letztendlich ist ersteres ein obskurer Token, der nur auf einer “Exchange” handelbar ist und zweiteres schlicht ein Glücksspiel.

Wie siehst du die dApps von Team JUST? Würdest du bei solchen Spielen mitmachen oder haben sie in deinen Augen keine Daseinsberechtigung? Schreib uns deine Gedanken dazu in die Kommentarspalte!

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