Bitcoin-Maximalismus: Deshalb ist der Bitcoin die beste Kryptowährung

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Bitcoin-Maximalisten beziehen häufig stark Position für ihren Favoriten | © Depositphotos

Seit seiner Erfindung ist der Bitcoin unangefochten die beliebteste unter den Kryptowährungen. Grund dafür liegt vor allem darin, dass kein Coin dezentraler ist und ein sichereres Netzwerk bietet. Der Coin Kurier erklärt, weshalb Bitcoin noch immer die beste Kryptowährung ist.

Der Bitcoin ist noch immer die beliebteste Kryptowährung und wird es auch auf absehbare Zeit bleiben. Häufig wurde der Bitcoin schon für tot erklärt. Die Argumente dafür sind vielfältig: Der Bitcoin skaliert nicht schnell genug, das Mining ist zu zentralisert und die Blockchain ist anderen Decentralised Ledger-Technologien (DLTs) unterlegen. Dennoch ist es noch keiner anderen Kryptowährung gelungen, dem Bitcoin den Rang abzulaufen. Die Marktdominanz des Bitcoin liegt derzeit bei knapp 40%. Die restlichen 60% verteilen sich auf den Rest aller Altcoins.

Kritiker der unangefochtenen Marktdominanz des Bitcoin (BTC) wenden ein, dass vor allem der Name des Coins für seine anhaltende Beliebtheit verantwortlich sei. Ihrer Theorie nach, ist der Bitcoin so beliebt, weil es die erste aller Kryptowährungen war. Seine Reputation steht aber ihnen zufolge im schroffen Ungleichgewicht zu dessen tatsächlicher rückständiger Technologie. Einer der bekanntesten Bitcoin-Kritiker ist der Investor Roger Ver, der aufgrund seiner langjährigen Erfahrung im Krypto-Ökosystem auch als „Bitcoin Jesus“ glorifiziert wird. Vergangenen Sonntag verkündete er auf Twitter, BTC habe, bis auf seinen Namen, nichts mehr mit Bitcoin zu tun.

Der Grund für Vers abfälliges Auftreten gegenüber Bitcoin hat vor allem den Hintergrund, dass er der Top-Lobbyist für Bitcoin Cash, einer Alternative zum Original, ist. Ver und andere Bitcoin-Kritiker haben entweder wirtschaftliche Gründe, gegen Bitcoin zu wettern, oder begreifen nicht, was die Exklusivität des Bitcoin überhaupt erst ausmacht.

Das Besondere am Bitcoin ist nicht etwa die Tatsache, dass es sich dabei um eine digitale Währung handelt. Es ist auch nicht, dass der Bitcoin internationalen Währungsverkehr erleichtert. Noch weniger ist es aber die Geschwindigkeit von Geldbewegungen, die seinen Reiz ausmachen. Das Besondere, was Satoshi Nakamoto, der Gründer des Bitcoins, 2009 geschaffen hat, war die Fähigkeit, dezentral Transaktionen innerhalb eines sicheren Netzwerkes tätigen zu können.

Zahlreiche Male wurde ein sogenanntes „Flippening“ prophezeit. Dabei handelt es sich um den Glauben, dass Bitcoin früher oder später von einem Altcoin (einer alternativen Kryptowährung) abgelöst werden wird. Litecoin, Ether, Bitcoin Cash und vielen weiteren wurde dieses Potenzial schon zugesprochen.

Tatsächlich ist der Bitcoin noch weit davon entfernt, perfekt zu sein. Denn er hat tatsächlich ein großes Skalierungsproblem. Seine Entwickler wissen aber, dass es töricht wäre, den Unkenrufen nachzugeben und Dezentralität sowie Sicherheit des Netzwerks für zweitrangige Eigenschaften wie schnelle Transaktionen und Multifunktionalität zu opfern. Sie wissen, dass man das Bitcoin-Protokoll nur mit Technologien ergänzen darf, welche seine beiden Grundsäulen, Dezentralität und Sicherheit, nicht gefährden. Die Prämisse lautet: Besser Vorsicht als Nachsicht.

Die Überzeugung, der Bitcoin sei die beste und zukunftsträchtigste aller Kryptowährungen, wird auch als Bitcoin-Maximalismus bezeichnet. Die Kritiker dieser Auffassung halten dagegen, dass der Bitcoin doch gefälligst schneller skalieren solle, dass sein Mechanismus, Konsens im Netzwerk zu erzielen, veraltet sein, dass seine Funktionalität nicht breit genug gefächert sei oder gar, dass die Blockchain als Ganzes gegenüber anderen DLTs unterlegen sei. Unterzieht man diese Argumente einer näheren Analyse, wird schnell augenfällig, weshalb die Open-Source Entwickler des Bitcoins gut daran tun diesen Sirenen-Gesängen nicht zu folgen.

Skalierbarkeit ist keine Priorität 

Das wohl am häufigsten vorgebrachte Argument der Kritiker des Bitcoins ist, dass er nicht gut genug skaliere, wodurch die Transaktionsgebühren untragbar hoch seien. Und auch wenn eine Bitcoin-Transaktion zur Zeit umgerechnet nicht mehr als ein paar Cent kostet, hat eine Geldbewegung Ende Dezember 2017 tatsächlich zeitweise mehr als 40€ gekostet. Schon lange vorher wurden Skalierungsprobleme von den Entwicklern antizipiert und mögliche Lösungsvorschläge darüber diskutiert.

Am ersten August 2017 war es dann so weit. Ein Teil der Bitcoin-Entwickler entschied sich zu dem drastischen Schritt, sich vom Bitcoin abzuspalten und eine Fork namens Bitcoin Cash zu erzwingen. Sie entschieden sich dazu, eine Antwort auf die Skalierungsfrage zu formulieren. Dies taten sie, indem sie die Blockgröße von 1 MB auf 8 MB anhoben. Das sollte dazu führen, dass mehr Transaktionen in einem Block Platz finden können. Dadurch besteht weniger Wettbewerb um schnelle Geldbewegungen, wodurch die Gebühren gesenkt werden können. Es scheint wie eine einfache Gleichung.

Wenn es so einfach ist, wäre wohl kaum ein Streit innerhalb der Community entbrannt. Tatsächlich ist es nämlich so, dass es zwar korrekt ist, dass größere Blöcke zu geringeren Kosten führen, was wiederum eine größere Anzahl von Transaktionen nach sich zieht. Allerdings müssen all diese Transaktionen auf der Blockchain gesichert werden, d.h., mehr Daten müssen prozessiert werden. Das können aber nur Mining-Hardwares, die eine hohe Bandbreite besitzen. Da aber nur eine sehr geringe Zahl von Privatpersonen imstande ist, die aktuellsten und immer teurer werdenden Mining-Hardwares zu kaufen, führt dies zu einer Zentralisierung des Minings. Eine Zentralisierung wiederum gefährdet die Sicherheit des Netzwerks.

Gelingt es nämlich einem Verbund von Minern 51% des Netzwerkes zu kontrollieren, können sie beliebig viele Bitcoins aus dem Nichts erzeugen. Zur Zeit ein unwahrscheinliches Szenario, aber die durch Bitcoin Cash angestoßene Entwicklung führt in eben diese Richtung. Das ist der Grund, weshalb sich die Mehrheit der Bitcoin-Entwickler gegen diese Entwicklung ausgesprochen hat.

In diesem Zusammenhang fällt häufig der Vorwurf, die Bitcoin-Entwickler blieben untätig, während die Konkurrenz auf Hochtouren an Methoden arbeitet, ihre Coins zu skalieren. Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt als das. Die Entwickler hinter Bitcoin arbeiten aktiv an einer alternativen Skalierungsmethode, dem Lightning.

Im Gegensatz zu dem Versuch eine Skalierung auf der Blockchain (On-Chain) zu ermöglichen, will das sogenannte Lightning-Network eine zweite Schicht auf die Blockchain aufsetzen (Off-Chain). Mithilfe einer solchen Second-Layer-Technologie (SLT), wird eine Skalierung ermöglicht, ohne die Blockchain weiter zu belasten aber dennoch ein gleiches Maß an Sicherheit zu garantieren. Das Lightning-Network befindet sich derzeit noch in der Beta, läuft aber so gut an, dass es zunehmend von Nutzern als Werkzeug zur Geldbewegung genutzt wird.

Proof-of-Work ist am sichersten

Der Garant für Dezentralität und Sicherheit im Bitcoin-Netzwerk ist das Mining. Beim Mining handelt es sich um einen Mechanismus, mit dem im Netzwerk ein Konsens darüber gefunden wird, welche Transaktionen valide sind und damit in die Blockchain eingefügt werden. Um daran teilzunehmen, muss man sich eine Software herunterladen, die Rechenleistung für die Ausführung eines Algorithmus aufbringt. Wer den Beweis erbringt, Rechenleistung zur Sicherung des Netzwerks aufgebracht zu haben, wird dafür in Bitcoins entlohnt. Man spricht auch vom Proof-of-Work-Verfahren (PoW).

Kritiker des PoW wenden ein, dass Mining sehr energieaufwändig sei, wodurch unnötig viel Strom verschwendet würde. Und tatsächlich ist die Kritik nicht ganz unbegründet. Schätzungen vom November 2017 gehen davon aus, dass das Mining des gesamten Bitcoin-Netzwerkes in etwa so viel Strom verbraucht hat, wie ganz Irland im gleichen Zeitraum. Die Kritiker dieser Praxis befürworten daher den Wechsel zu einem alternativen Konsens-Mechanismus.

Die beliebteste Alternative zu PoW ist PoS (Proof of Stake). Bei diesem Konsens-Mechanismus wird der Beweis, Transaktionen bestätigt zu haben, nicht durch Rechenleistung erbracht, sondern lediglich durch das Halten der Coins in einer speziell dafür geeigneten Wallet. Befürworter dieser Alternative sehen darin die Zukunft der Transaktionsbestätigung. Immerhin muss hierbei nur eine ungleich geringere Masse an Strom aufgebracht werden.

Der gewichtigste Grund weshalb PoS Bitcoins PoW nicht das Wasser reichen kann, ist, dass der Beweis beim PoW durch systemexterne und beim PoS durch systeminterne Ressourcen erbracht wird. Dadurch ist PoW deutlich sicherer, da die Kosten die für einen Angriff auf das Netzwerk aufgebracht werden müssten, im Vergleich zum PoS, von einer Komponente bestimmt werden, die nicht direkt von der Marktkapitalisierung abhängig ist. Diese Abhängigkeit führt nämlich dazu, dass ein Coin bei einem preislichen Tief einer hohen Gefahr eines Angriffs ausgesetzt ist. Zum einen wegen der beispiellos hohen Marktkapitalisierung aber nicht zuletzt auch wegen des PoW, ist der Bitcoin der mit Abstand am wenigsten gefährdete Coins für eine 51%-Attacke.

Multifunktionalität gefährdet Netzwerk

Eine weitere häufig gegen den Bitcoin vorgebrachte Kritik ist, dass er sich in seiner Funktion nur darauf beschränke ein dezentrales Transaktionsmittel zu sein. Andere Coins wie Ether böten darüber hinaus noch Speicherung anderer Daten. Die um Ether ausgebaute Plattform wird auch als Ethereum bezeichnet. Ethereum erlaubt z.B. die Implementierung von Smart Contracts, wodurch die Plattform Gründern die Möglichkeit bietet, auf ihrer Grundlage dApps (dezentrale Applikationen) zu bauen.

Tatsächlich ist es so, dass der Bitcoin ursprünglich mit Operationscodes ausgestattet war, welche die Möglichkeit boten, auf dessen Grundlage einfache Smart Contracts zu bauen. Satoshi Nakamoto selbst deaktivierte diese Codes dann allerdings sehr bald wieder, da er darin einen möglichen Angriffspunkt für Hacker sah und vermutlich auch einer Überbelastung der Blockchain durch eine zu große Datenlast vorbeugen wollte.

Es scheint so, als hätte Satoshi Nakamoto mit prophetischer Weitsicht gehandelt. Denn im Juni 2016 wurde eine auf der Ethereum-Blockchain aufgebaute, sich dezentral verwaltende Organisation (DAO) Opfer eines Hackerangriffes, wodurch 60 Millionen Dollar in Ether erbeutet werden konnten. Ein weiteres Problem ist, dass die Ethereum-Blockchain mittlerweile 1TB an Speicherplatz einnimmt, was jedem eine Mahnung sein sollte, dem daran gelegen ist, dass das Bitcoin-Netzwerk dezentral bleibt. Denn auch hier greift wieder das Argument, dass Privatpersonen sich eine wettbewerbsfähige Mining-Hardware leisten können müssen, um die Dezentralität eines Netzwerks zu garantieren.

Aber selbst Multifunktionalität ist im Bitcoin-Netzwerk möglich. So wird derzeit viel Schweiß in die Weiterentwicklung von Rootstock, einer an die Bitcoin-Blockchain gekoppelten Sidechain-Technologie, gesteckt, welche die Entwicklung von Smart Contracts und damit auch dApps auf Grundlage der Bitcoin-Blockchain ermöglicht. Da Rootstock auf dem Bitcoin-Protokoll basiert, ist es die sicherste und dezentralste Möglichkeit dApps auf einer Blockchain zu bauen.

Blockchain schafft Sicherheit

Weiterhin wird Kritik an der Blockchain-Technologie im Allgemeinen geübt. Befürworter des Tangle – einer DLT, die von der Kryptowährung IOTA genutzt wird – kritisieren, dass Transaktionen auf der Blockchain zu langsam, teuer und daher nicht ausreichend skalierbar wären. Anders als bei der Blockchain, wird beim Tangle nicht ein mit Transaktionen gefüllter Block an den nächsten gehängt. Stattdessen bestätigen Transaktionen sich hier gegenseitig. Bevor man im Netzwerk eine Geldbewegung tätigen kann, muss man zwei andere Transaktionen bestätigen. Dadurch wird Mining überflüssig gemacht.

In der Theorie ist der Tangle der Blockchain tatsächlich überlegen. In der Praxis aber, stehen dem Protokoll noch viele Probleme und offene Fragen gegenüber, die gelöst bzw. beantwortet werden müssen, bevor von einer Überlegenheit des Tangle gesprochen werden kann. Die Blockchain funktioniert in ihrer aktuellen Form und stellt feuchten Zukunftsvisionen damit trockene Praxis entgegen.

Weitere Alternativen zur Blockchain sind Hedera Hashgraph, die Block Lattice und Tempo. Alle drei Optionen liefern eine neue Methode zur Verifizierung von Transaktionen. Ob sie sich gegen die Blockchain behaupten können, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt allerdings nicht sagen, da sie zu unerprobt sind, um die Blockchain in diesem Stadium vom Thron stoßen zu können. Bitcoins Blockchain ist bereits mit allen Wassern gewaschen. Die Wahrscheinlichkeit eines Codierungsfehlers, der das Netzwerk zu Fall bringen könnte, geht gegen Null.

Bitcoin wird gerne als digitales Gold bezeichnet. Auch Kritiker der Währung nutzen diesen Begriff, um damit auszudrücken, dass der Bitcoin aufgrund seiner Skalierungsschwierigkeiten nur noch zum Horten, nicht aber für Transaktionen im Alltag geeignet ist. Häufig handelt es sich dabei um Entwickler von Altcoins, die vergeblich versuchen, ein wenig des Glanzes vom Bitcoin abzubekommen, indem sie Dezentralität auf dem Altar voreiliger Innovationen opfern. Eines sollte man nicht vergessen: Es ist nicht alles Gold was glänzt.

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