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Quantencomputer, ein möglicher Totalverlust und neue regulatorische Weichenstellungen: Bitcoin und der Kryptomarkt stehen zugleich technologisch, wirtschaftlich und politisch unter Druck. Der Pressespiegel zeigt, welche Risiken Anleger jetzt im Blick behalten sollten – und warum selbst eine Kurserholung die grundlegenden Fragen nicht beantwortet.
Quantencomputer erhöhen den Druck auf Bitcoins Kryptografie
Der Crypto Valley Journal berichtet, dass Binance-Gründer Changpeng Zhao im Juli 2026 vorgeschlagen hat, die rund 1.1 Mio. BTC von Satoshi Nakamoto einzufrieren, falls diese nicht binnen 6 bis 12 Monaten auf quantensichere Adressen übertragen werden. Hintergrund ist die mögliche Fähigkeit künftiger Quantencomputer, die Kryptografie hinter Bitcoin-Transaktionen zu brechen.
Bitcoin verwendet für Transaktionssignaturen ECDSA auf der Kurve secp256k1. Sobald ein öffentlicher Schlüssel sichtbar ist, könnte ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer mit Shors Algorithmus daraus den privaten Schlüssel berechnen. Das Mining und das Adress-Hashing basieren dagegen auf SHA-256. Grovers Algorithmus würde hier lediglich eine quadratische Beschleunigung bewirken und die effektive Sicherheit von 2^256 auf rund 2^128 Operationen reduzieren.
Nach den Angaben des Crypto Valley Journal läge der für rentables Quanten-Mining nötige Bestand bei rund 10^23 Qubits. Zusätzlich wären die Energiekosten höher als die eines grossen nationalen Stromnetzes. Die Bedrohung konzentriert sich deshalb auf bereits offengelegte öffentliche Schlüssel und nicht auf den Proof-of-Work-Mechanismus.
Ein Public Key wird laut dem Bericht insbesondere bei P2PK-Outputs aus den Jahren 2009 und 2010, bei jeder Adresse mit mindestens einer gesendeten Transaktion sowie bei Taproot-Keypath-Spends über P2TR sichtbar. Eine häufig zitierte Schätzung beziffert den dadurch exponierten Bestand auf rund 6.9 Mio. BTC. Andere Zählungen kamen Anfang März 2026 auf über 34 Prozent der zirkulierenden Menge, während eine ältere Deloitte-Analyse aus dem Jahr 2023 rund 4 Mio. BTC auswies.
Im Kontext von BIP-360 werden rund 1.72 Mio. BTC als hochgradig verwundbar und weitere rund 4.49 Mio. BTC als verwundbar, aber migrierbar eingeordnet. Die Satoshi Nakamoto zugeschriebenen Bestände werden auf rund 1.1 Mio. BTC geschätzt.
Auch die technische Entwicklung der Quantencomputer sorgt für neue Risikobewertungen. Google Quantum AI bezifferte 2026 den Bedarf zum Brechen von Bitcoins ECDSA auf unter 500'000 physische Qubits mit einer Laufzeit im Minutenbereich. Litinski hatte 2023 noch rund 9 Mio. Qubits veranschlagt.
Die derzeit grössten öffentlich bekannten Quantencomputer erreichen laut Quelle rund 2'000 bis 2'500 physische Qubits. Für die Fehlerkorrektur werden heute zwischen 1'000 und 10'000 physische Qubits pro logischem Qubit benötigt. IBMs Roadmap sieht auf Loon (2025) Kookaburra (2026), Cockatoo (2027) und Starling (2028/29) mit 200 logischen Qubits folgen.
Als mögliche Reaktion stehen zwei Bitcoin-Proposals im Mittelpunkt. BIP-360 wurde im Februar 2026 in das offizielle Entwickler-Repository aufgenommen und schlägt den Output-Typ Pay-to-Quantum-Resistant-Hash mit dem Präfix „bc1r“ vor. BIP-361 sieht dagegen einen phasenweisen Übergang vor, an dessen Ende nicht migrierte Coins eingefroren werden könnten.
Der Freeze-Mechanismus ist umstritten. Bitcoin-Core-Entwickler Adam Back sprach sich Mitte April gegen einen erzwungenen Freeze aus und favorisierte optionale Upgrades. Changpeng Zhao schlug Anfang Juli ein Zeitfenster von 6 bis 12 Monaten für die Migration vor, während Kritiker auf die politischen Hürden und die Bedeutung der Unveränderlichkeit des Bitcoin-Netzwerks verwiesen.
„Insgesamt steht damit erstmals ernsthaft zur Debatte, ob das Netzwerk fremde Coins stilllegen darf, um sie vor einem künftigen Angreifer zu schützen.“ – Crypto Valley Journal
Zusammenfassung: Die unmittelbare Quantenhardware liegt noch deutlich unter den in den Szenarien genannten Anforderungen. Die Debatte über quantensichere Adressen, BIP-360 und BIP-361 hat jedoch bereits eine grundsätzliche Frage ausgelöst: Soll Bitcoin gefährdete Bestände freiwillig migrieren lassen oder nicht migrierte Coins künftig einfrieren?
Berliner Morgenpost: Bitcoin könnte theoretisch seinen gesamten Wert verlieren
Die Berliner Morgenpost sprach mit Jonas Krettek, Investmentstratege der Apobank, über die Frage, ob Bitcoin wertlos werden kann. Krettek erklärte, dass sich ein „fairer Wert“ wegen fehlender laufender Einnahmen wie Zinsen oder Dividenden nicht seriös bestimmen lasse.
Nach seiner Einschätzung hängt der Bitcoin-Preis vor allem von Erwartungen und der Marktstimmung ab. Hinter Bitcoin stehe kein Unternehmen, das Gewinne erwirtschafte oder reale Güter produziere; einen klassischen wirtschaftlichen Bezugspunkt und einen intrinsischen Nutzen gebe es daher nicht.
Krettek bezeichnete die Nachfrage nach Bitcoin als rein spekulativ. Der Preis entstehe ausschließlich durch Angebot und Nachfrage, weshalb niemand seriös sagen könne, ob der faire Wert bei 100.000 Euro oder bei einem Euro liege.
Die drei Funktionen von Geld – Bezahlen, Wertspeicherung und Preisangabe – erfülle Bitcoin laut Krettek nur eingeschränkt. Selbst in El Salvador, wo Bitcoin 2021 als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt wurde, würden nur rund fünf Prozent der Transaktionen tatsächlich damit abgewickelt. Die hohe Volatilität erschwere zudem eine zuverlässige Wertaufbewahrung.
Bei größeren Kryptowährungen wie Ethereum sieht der Investmentstratege interessante technologische Ansätze. Smart Contracts könnten automatisch ausgeführt werden, sobald bestimmte Bedingungen wie eine Zahlung oder eine Lieferung erfüllt seien. Als Geldanlage bewertet Krettek auch diese Kryptowährungen vorsichtig, da sie starken Kursschwankungen unterlägen und häufig mit Bitcoin korrelierten.
Ein vollständiger Wertverlust sei theoretisch möglich, sagte Krettek. Bitcoin sei zwar die bekannteste und gemessen an der Marktkapitalisierung größte Kryptowährung, weshalb ein Verschwinden von einem Tag auf den anderen eher unwahrscheinlich sei. Ein Vertrauensverlust, durch den niemand Bitcoin mehr nutzen wolle, könnte jedoch zu einem Totalverlust führen.
Die Begrenzung des Angebots auf 21 Millionen Einheiten biete nach Krettek keine Garantie für einen stabilen Wert. Diese Begrenzung sei seit der Einführung bekannt und daher in den aktuellen Kursen berücksichtigt. Bei einem fixen Angebot könne der Preis trotzdem durch eine sinkende Nachfrage zurückgehen.
Bitcoin-ETFs und institutionelle Investoren änderten laut Krettek nichts am spekulativen Charakter der Anlage. Das Vorhandensein solcher Produkte zeige lediglich, dass eine Nachfrage existiere.
Für langfristige Ziele wie die Altersvorsorge hält Krettek Kryptowährungen für ungeeignet. Er verwies stattdessen auf eine breite Mischung aus Aktien und Anleihen sowie ergänzend auf Immobilien. Gold könne als Diversifikator und langfristiger Wertspeicher eine stabilisierende Funktion übernehmen; in der Vermögensverwaltung liege der Anteil aktuell bei vier Prozent.
Der Vergleich von Bitcoin mit digitalem Gold hält nach Krettek nur bedingt stand. Gold werde seit Jahrtausenden genutzt und habe einen realen Nutzen, während Bitcoin keine vergleichbare Geschichte als Wertaufbewahrungsmittel besitze.
Zusammenfassung: Laut Jonas Krettek ist ein Totalverlust bei Bitcoin theoretisch möglich, falls das Vertrauen vollständig verloren geht. Wegen fehlender Cashflows und hoher Kursschwankungen bewertet er Bitcoin als hochspekulativ und für langfristige Ziele als ungeeignet.
Bitcoin erreicht Monatshoch, Krypto-Aktien steigen
Der Aktionär berichtet, dass Bitcoin am Montag zeitweise auf 65.584 Dollar gestiegen ist. Damit erreichte die Kryptowährung den höchsten Stand seit einem Monat.
Die Erholung erfasste den gesamten Kryptosektor. Die Aktie des Bitcoin-Großinvestors Strategy gewann in der Spitze 6,4 Prozent, während der Stablecoin-Anbieter Circle um bis zu 10,8 Prozent zulegte.
Als möglicher Impulsgeber gilt der US-amerikanische „CLARITY Act“. Das Gesetz soll festlegen, wann digitale Vermögenswerte als Wertpapiere unter die Aufsicht der SEC fallen und wann die Rohstoffaufsicht CFTC zuständig ist. Zudem sieht der Entwurf Regeln für Kryptobörsen, Verwahrer und Händler vor.
Nach dem Bericht soll der CLARITY Act Registrierung, Handel und Offenlegungspflichten klären. Anleger sollen besser vor Betrug und Insolvenzen geschützt werden, da sich diese Bereiche bislang teilweise in einer regulatorischen Grauzone bewegten.
Ein Durchbruch im Senat ist jedoch nicht sicher. Streit gibt es unter anderem über eine Ethikklausel, die persönliche Kryptogeschäfte hochrangiger Regierungsmitglieder beschränken soll. An vertraulichen Gesprächen im Weißen Haus in der vergangenen Woche nahmen ausschließlich Präsident Donald Trump und republikanische Vertreter teil; demokratische Senatoren waren nicht beteiligt.
Die demokratischen Senatoren Catherine Cortez Masto und Mark Warner wollen ihre Zustimmung offenbar davon abhängig machen, ob der endgültige Entwurf Bedenken von Strafverfolgungsbehörden und des Justizministeriums zu Geldwäsche und illegalen Finanzströmen ausreichend berücksichtigt.
Auf Polymarket wurde die Wahrscheinlichkeit einer Unterzeichnung in diesem Jahr nur noch mit 31 Prozent bewertet. Vor drei Wochen hatte diese Eintrittswahrscheinlichkeit noch bei 50 Prozent gelegen.
Vor der Sommerpause im August bleiben den Abgeordneten 14 Sitzungstage. Für die Verabschiedung ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Bislang gab es weder einen Abstimmungstermin noch einen überarbeiteten Gesetzestext.
Die republikanische Senatorin Cynthia Lummis kritisierte die Verzögerung. Sie argumentierte, dass das Gesetz Verbraucher davor schützen könne, ihre digitalen Vermögenswerte bei einer Insolvenz einer Kryptoplattform zu verlieren. Als Beispiele nannte sie Celsius und Voyager, bei denen Kundeneinlagen Teil der Insolvenzmasse geworden seien.
Technisch hat Bitcoin laut Der Aktionär die 50-Tage-Linie zurückerobert. Die Unterstützungszone zwischen 62.000 und 65.000 Dollar hält vorerst, während zwischen 75.000 und 80.000 Dollar ein Widerstand liegt. Erst oberhalb dieses Bereichs würde sich das technische Bild wieder aufhellen.
Zusammenfassung: Bitcoin stieg auf 65.584 Dollar, während Strategy und Circle deutlich zulegten. Ob die Erholung anhält, hängt laut Quelle auch vom politischen Fortgang des CLARITY Act ab.
Bitcoin Cash: Investment von vor einem Jahr deutlich im Minus
Finanzen.net berechnet, wie sich ein Investment in Bitcoin Cash über den Zeitraum von einem Jahr entwickelt hätte. Vor einem Jahr notierte Bitcoin Cash bei 513,52 USD.
Wer damals 1.000 USD investiert hätte, besäße nun 1,947 Bitcoin Cash. Auf Grundlage des BCH-USD-Kurses vom 19.07.2026 von 214,58 USD wäre dieses Investment 417,86 USD wert.
Damit hätte sich der Wert des Investments um 58,21 Prozent verringert. Der tiefste Stand seit 52 Wochen wurde am 24.06.2026 bei 190,02 USD erreicht.
Das aktuelle 52-Wochen-Hoch lag laut Finanzen.net bei 654,75 USD und wurde am 03.01.2026 erreicht.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Kurs vor 1 Jahr | 513,52 USD |
| Investition | 1.000 USD |
| Bitcoin Cash nach 1 Jahr | 1,947 Bitcoin Cash |
| Kurs vom 19.07.2026 | 214,58 USD |
| Wert des Investments | 417,86 USD |
| Wertverlust | 58,21 Prozent |
| 52-Wochen-Tief | 190,02 USD am 24.06.2026 |
| 52-Wochen-Hoch | 654,75 USD am 03.01.2026 |
Zusammenfassung: Aus einem Investment von 1.000 USD in Bitcoin Cash vor einem Jahr wären nach der Berechnung von Finanzen.net 417,86 USD geworden. Der ausgewiesene Wertverlust beträgt 58,21 Prozent.
Einschätzung der Redaktion
Die Quantencomputer-Debatte ist derzeit weniger ein akutes technisches als ein grundlegendes Governance-Risiko. Entscheidend ist nicht nur, ob die Bedrohung absehbar wird, sondern ob Bitcoin im Ernstfall Änderungen an fremden Beständen überhaupt legitimieren kann. Ein erzwungener Freeze würde die Unveränderlichkeit des Netzwerks politisch neu definieren und könnte dadurch mehr Vertrauen beschädigen, als er schützt.
Infobox: Der zentrale Konflikt lautet nicht Quantenhardware gegen Kryptografie, sondern Sicherheit gegen Eigentumsschutz und Regelstabilität.
Einschätzung der Redaktion
Die Möglichkeit eines Totalverlusts ist bei jedem rein vertrauensbasierten, ertraglosen Vermögenswert grundsätzlich vorhanden. Das macht Bitcoin jedoch nicht automatisch wertlos, sondern verdeutlicht seine Abhängigkeit von Akzeptanz, Liquidität und Vertrauen. Für Anleger folgt daraus eine klare Begrenzung der Rolle: Bitcoin kann als spekulative Beimischung dienen, ersetzt aber weder produktive Anlagen noch eine breit diversifizierte Vorsorge.
Infobox: Bitcoin bleibt ein knappheits- und vertrauensgetriebener Vermögenswert mit hohem Chancenpotenzial, aber ohne klassischen Bewertungsanker.
Einschätzung der Redaktion
Der Kursanstieg ist vor allem als Stimmungs- und Liquiditätssignal zu bewerten, nicht als Beleg für einen nachhaltigen Trendwechsel. Solange der CLARITY Act politisch unsicher bleibt und der Kurs unter dem Widerstandsbereich zwischen 75.000 und 80.000 Dollar notiert, überwiegt die Bedeutung der Regulierungserwartung gegenüber einer bestätigten technischen Erholung.
Infobox: Die Marktbewegung zeigt kurzfristigen Optimismus, liefert aber noch keine belastbare Bestätigung für eine dauerhafte Aufwärtsbewegung.
Einschätzung der Redaktion
Der Verlust verdeutlicht die außergewöhnliche Zyklik und Volatilität von Bitcoin Cash. Eine Betrachtung über nur ein Jahr eignet sich zwar nicht für eine vollständige Anlagebewertung, zeigt aber deutlich, dass selbst etablierte Kryptowährungen erheblichen Kapitalverlusten ausgesetzt sein können. Bitcoin Cash bleibt damit besonders stark von Marktinteresse, Liquidität und der Abgrenzung zu Bitcoin abhängig.
Infobox: Die Entwicklung bestätigt das hohe Verlustrisiko und die geringe Eignung von Bitcoin Cash als alleinige langfristige Vermögensanlage.
Quellen:
- Quantencomputer setzen Bitcoins Kryptographie unter Druck
- Kann Bitcoin wertlos werden? Profi erklärt, was dafür passieren müsste
- Bitcoin knackt Monatshoch: Krypto-Aktien heben ab
- Bitcoin Cash: Wie viel Anleger mit einem Investment von vor 1 Jahr verloren hätten
- Bitcoin-Reserve: Lyn Alden startet Treasury-Unternehmen
- Zerreißprobe für Bitcoin?: Michael Saylor warnt vor gefährlichem Eingriff in die Bitcoin-Blockchain













